Keith Jarrett | Budapest Concert

Der 21. Oktober 2020 wird in die Musikgeschichte eingehen. Verkündete da doch Keith Jarrett via The New York Times, dass er aufgrund zweier Schlaganfälle nie wieder Klavier spielen könne.

Was nur wenige längst wussten, wurde perfekt abgestimmt auf das Erscheinen des „Budapest Concert“ nun traurige Gewissheit. Dass er seinen Auftritt vom 3. Juli 2016 in der Béla Bartók Concert Hall zum „Gold Standard“ erklärt, ist jedoch nachvollziehbarer als das in typischer Hybris postulierte „I feel like I’m the John Coltrane of piano players“, nach ihm gebe es nur noch Imitatoren seines Spiels.
Ein ärgerlicher Satz, zumal man im Laufe seiner zwölfteiligen Klangreise amüsiert und doch begeistert feststellen wird, dass Keith Jarrett auch auf Strukturelemente seines legendären „Köln Concert“ zurückgriff. Wie stets tastet er sich zunächst unter Aufbietung all seiner harmonischen und rhythmischen Ausdrucksqualitäten in Stimmung. Ein quirlig brodelndes Vergnügen voller Brüche, dem zwei sparsam inszenierte „Parts“ folgen, wo melancholisch-flirrende Gedankengänge von markanten Blockakkorden kontrastiert werden. Leichthändig und doch tiefgängig, ins-
piriert vom Genius loci.
Danach blüht Jarrett auf und liefert nach einem donnernden Intermezzo mit „Part V“ das erste Bravourstück seiner einzigartig balladesken Improvisationskunst – melodisch wie agogisch superb. Heiter geht es swingend weiter, bis er dann in Reminiszenzen schwelgt, delikat tastend zu Tränen rührt („Part XI“) und mit einem Blues sein Recital mitreißend abrundet. Doch das Beste gibt’s erst danach mit zwei traumhaft zarten Songs, „It’s A Lonesome Old Town“ und „Answer My, My Love“ – in der Tat „Gold Standard“, weil großmeisterlich anrührend Keith Jarrett pur.

Sven Thielmann

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Keith Jarrett: Budapest Concert

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Keith Jarrett: Budapest Concert; Keith Jarrett (p); ECM/Universal

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