Kammerorchester Basel | Schubert: Sinfonien Nr. 4 u. 6, Ouvertüre D 590

Das Schubert-Projekt des Kammerorchesters Basel unter Heinz Holliger nimmt immer festere Konturen an, und die neue CD bestätigt die ersten Eindrücke: Dieser Zyklus schwingt sich auf, etwas Großes zu werden. Schuberts Orchesterwerke zu realisieren ist nie leicht, die frühen Werke dürfen nicht als Frühwerke verniedlicht werden, und die späteren Sinfonien müssen sich auf einem Grat bewegen, der Beethoven-Nähe braucht, rossiniesken Schwung nicht scheut und beides mit unverkennbar Schubertʼschem Melos vereint.


Genau das gelingt Heinz Holliger auch in der neuesten Folge: Die „kleine“ C-Dur-Sinfonie, die Sechste, bringt empfindsame Linienbildung und schroffe Akzente zusammen, in strahlendes Dur mischt sich melancholische Entrücktheit, sodass auf allen Glanz auch Schatten fallen und sich dadurch eine fragile, wenn nicht gar tragische Komponente einstellt. Das Scherzo vibriert in seinem pochend-stechenden Rhythmus wie die Schwestersätze aus der „Eroica“ oder Beethovens Siebter. Beim Finale, das Schubert mit Allegro moderato überschrieben hat, betont Holliger die Moderato-Komponente – wenn auch nicht so sehr wie Harnoncourt in seiner Amsterdamer Aufnahme – und entwickelt einen tänzerischen Gestus mit dramatischer Verdichtung, wenn die Geigen tremolieren und scharfe Betonungen dreinfahren.
Ähnlich tief- und scharfsinnig präsentieren die Basler und Holliger auch die Vierte. Der hier eingeschlagene Weg ließe sich in enge Nachbarschaft zu Heras-Casados Aufnahme mit dem Freiburger Barockorchester setzen, bis auf den von Holliger ungleich zügiger interpretierten zweiten Satz. Das Suchen und Hinterfragen Schuberts, sein oft brüchiges, mitunter schmerzhaftes Weltbild kommt hier insgesamt eindrucksvoll zur Geltung.

Christoph Vratz

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Schubert: Sinfonien Nr. 4 u. 6, Ouvertüre D 590; Kammerorchester Basel, Heinz Holliger (2019); Sony Classical