Julian Steckel | Kodály

Im Cello-Repertoire haben die Kammermusikwerke von Zoltán Kodály einen festen Platz, und sie sind gleichzeitig ein guter Ausgangspunkt, Kodálys Musik kennenzulernen. Seine Sonatine beginnt mit Akkorden und Harmonien, die auch von Debussy sein könnten – ein Komponist, den Kodály sehr bewunderte. Die ungarischen Volkslieder und -melodien, die Kodály sammelte, dringen immer wieder durch die Textur der Sonate für Violoncello solo. Die Suche nach größtmöglicher emotionaler Ausdruckskraft innerhalb des tonalen Systems prägt das Duett für Violoncello und Violine.


Für heutige Ohren klingt das Duett am avantgardistischsten, die Sonatine dagegen am eingängigsten. Die Reihenfolge der Entstehung ist aber genau umgekehrt: Das Duett komponierte Kodály 1914, die Solo-Sonate 1915 und die Sonatine 1922. Die Krisenzeit des Ersten Weltkrieges prägte die erstgenannten Stücke, die Suche nach Reduktion und Schlichtheit das spätere Werk.
Cellist Julian Steckel arbeitet seit seiner Jugend an den Kodály-Stücken, aber erst jetzt, mit 37 Jahren, hat er sie zusammen mit seinen langjährigen Kammermusikpartnern Paul Rivinius und Antje Weithaas aufgenommen. Er hat sich Zeit genommen, Kodálys Musik zu verstehen: die rohen Ausbrüche, die expressionistischen Klangfarben, das Urtümliche der Volksmusik – und wie Kodály alles organisch zusammenfügt. Und das ist zu hören. Die Gefahr bei diesen Kodály-Stücken liegt darin, sich von der Emotionalität mitreißen zu lassen und in Klängen zu baden. Steckel wahrt eine gewisse Distanz, und trotzdem klingt sein Spiel frei, die Energie strömt aus dieser Musik. Mit Rivinius und Weithaas ist er ganz auf einer Wellenlänge, das Zusammenspiel ist berührend und beglückend.

Dorothee Riemer

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Kodály: Sonatine für Violoncello und Klavier op. 4; Sonate für Violoncello solo op. 8; Duett für Violoncello und Violine op. 7; Julian Steckel, Paul Rivinius, Antje Weithaas (2017/18); Avi

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