Josef Bulva | Beethoven, Scriabin & Martinu

Im Spektrum interpretatorischer Altersstile nimmt das Spiel Josef Bulvas einen extremen Ort ein. Seine Überzeugung, nach der „die Kunst der Kunstwiedergabe in vielen Kategorien messbar“ sei, wie er im Begleittext schreibt, hat ihn zu einer weitgehenden Eliminierung all dessen gebracht, was außerhalb dieser Katego­rien liegt.


So ist das kühle, fast entkörperlichte Wesen dieses Klavierspiels eine klangliche Spiegelung jener „messbaren“ Anteile. Wer diese oft spröde Reduktion akzeptiert, wird nicht unbelehrt bleiben und irgendwann auch die ästhetischen Spaltprodukte dieser eigensinnigen Exegese bewundernd wahrnehmen.
Der Kopfsatz des Beethoven᾿schen op. 90 erträgt und stimuliert diese ästhetische Haltung. Bulva begreift das erste Themenfeld als „resignativ“, ein Charakterzug, der sein Äquivalent bei ihm in rhythmisch absichtsvoll irregulären, deklamatorischen Klanggesten findet. Ihr Erlöschen in der folgenden, seltsam kahlen Überleitung führt sozusagen aus der subjektiven Welt hinaus. Bulvas erstaunliche Pedalisierung lässt ahnen, was ihm in der Durchführung gelingt. Kontrollierter und klangschöner kann man die langen Linien der Linken kaum ausspannen, und wenige Spieler bezähmen das Sechzehntelschnurren der Oberstimme mit solcher Gelassenheit. Intellektueller Exaktheitsfuror schlägt in puren Zauber um. So auch im herrlichen Andante der dritten Skrjabin-Sonate, das er äußerst transparent, die Stimmen minutiös ausbalancierend nimmt. So werden die kleinsten Gesten zum Ereignis – das behutsame Atmen vor der Themenwiederkehr im Sechzehntelweben, der zarte „Sprung“ in die Triolen, ein fast beunruhigender Moment der Verflüssigung, wenn er derart exakt ausgeführt wird. Diese Wunder sind der Lohn für die Arbeit, die Bulva sich und seinen Hörern macht.

Matthias Kornemann

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Josef Bulva | Beethoven, Scriabin & Martinu

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Beethoven: Klaviersonaten opp. 78, 90; Skrjabin: Klaviersonate Nr. 3, Martinu: Klaviersonate Nr. 1; Josef Bulva (2019); RCA Red Seal