Johannes Moser | Lutosławski & Dutilleux: Cello Concertos

Wenn es für Musik eine Altersfreigabe gäbe – man müsste wohl volljährig sein, um Witold Lutosławskis Cellokonzert hören zu dürfen. Das Werk ist so voller Gewalt und Demütigungen gegen das Soloinstrument, dass es einem leidtun kann: Die Blechbläser äffen das Cello nach, übertönen und verhöhnen es, bis es winselnd in der Ecke liegt wie ein getretener Welpe. Bei den Proben für die Uraufführung beklagte Mstislav Rostropowitsch sich, weil das Orchester ihn übertönte. Doch Lutosławski wollte genau diesen Effekt erzielen: den tapferen Kampf eines gedemütigten Individuums gegen die Brutalität einer aufgehetzten Meute.

Für das als Cellokonzert verkleidete Theaterstück sind Johannes Moser und das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin hervorragende Protagonisten. Moser muss nicht virtuos spielen, um zu beeindrucken. Er entlockt seinem Instrument Laute, die an ein verängstigtes Lebewesen erinnern, ohne dass er dabei nur Geräusche erzeugt. Sein Cello klingt immer wie ein Cello, egal was es gerade darstellt. Die Bläser des RSB hingegen agieren mit in die Instrumente gerotzten Tönen wie perfekte Bösewichte.
Das Cellokonzert von Henri Dutilleux stammt ebenfalls aus dem Jahr 1970. Es ist reicher an Nuancen und von beeindruckendem Detailreichtum, Orchester und Solist spielen eher mit- als gegeneinander. Moser agiert hier wie die wichtigste Stimme des Orchesters: stets wahrnehmbar, dominant, aber immer im Dialog mit Bläsern und Streichern. Sein Repertoire an Strichtechniken und seine Bogenbeherrschung suchen ihresgleichen. Thomas Søndergård motiviert die Musiker zur Lautmalerei, lässt die Musik in finsteren und in gleißenden Farben erscheinen. Gemeinsam erschaffen sie – wie es der Titel des Konzerts verspricht – „Tout un monde lointain“ – eine ganze entfernte Welt. Sie ist voll von Sirren, Summen und Klicken, von fremdartigen Geräuschen, durchzogen von Melodien, die fein sind wie Spinnweben.

Ole Pflüger

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Johannes Moser | Lutosławski & Dutilleux: Cello Concertos

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Lutoslawski: Konzerte für Violoncello und Orchester; Dutilleux: Tout un monde lointain (Cellokonzert); J. Moser, RSO Berlin (2017/2018); Pentatone

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