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Jim Black Trio | Reckon

So dirty, geradeheraus, so verschachtelt in der Struktur, so abstrakt, hat man lange kein Pianotrio gehört. Jim Black, rhythmischer Tausendhänder und -füßer hat hier sein Traumtrio gefunden. Dabei hatte er lange nicht vor, sich in den Kontext erwartbarer Klaviertrio-Formationen eingliedern zu lassen: „Piano trios kinda suck!“ – so der Schlagzeuger in den Liner Notes. Das schon mal vorweg.


Hört man die neue Scheibe „Reckon“, so ist vom ersten Ton an klar, wie fordernd sie sein wird. Denn was einem entgegenspringt, ist gelinde gesagt eher ein Klangblock. Thomas Morgan gibt am Bass den Fels in der Brandung. Kein verzärteltes Intonieren mehr, sondern ein, zwei inständige Töne als retardierendes Element, um das sich alles zu drehen scheint. Und während Black zugibt, mit Pianist Elias Stemeseder wieder und wieder gejammt und diskutiert zu haben, bis sie sein Konzept klanglich umgesetzt hatten, kann er mit Thomas Morgan einfach loslegen. Jederzeit erklärungslos, nonverbal!
Irgendwie meint man das zu hören. Die Rhythmen von Black gleichen einem steten Stop-and-go und finden die erstaunlichsten Wendungen. Während sich Stemeseder als wirbelnder Fingerartist entpuppt, dem die Ausdrucksstärke und Impulsivität großer Free-Pianisten eigen ist. Aber sein Radius ist weiträumiger gezirkelt. Er spielt nicht nur aus der Geste heraus, sondern entwickelt aus kleinsten Motiven perlende Tonkaskaden. Mitunter agiert er mit beiden Händen recht unabhängig und unterläuft alle pianistischen Gepflogenheiten. So ergibt sich schließlich ein Triospiel, das vollständig aufeinander hört, obwohl die Anknüpfungspunkte ständig neu formatiert werden. Umso erstaunlicher, dass Black insistiert, fast das ganze Album sei eine Ad-hoc-Improvisation. Toll!

Tilman Urbach

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Jim Black Trio | Reckon

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Musik:
4,50
Klang:
5,00

Jim Black Trio: Reckon; Jim Black (dr), Elias Stemeseder (p), Thomas Morgan (b); Intakt

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