Jihye Lee Orchestra – Daring Mind

Die Dirigentin und Komponistin Jihye Lee stammt aus Korea, wo sie als Indie-Popsängerin begann, wohnt aber in New York. Von der Stadt und dem Leben im Big Apple ließ sie sich zu ihrem neuen Album inspirieren. Dabei geht sie eher von Bildern und Stimmungen aus als von Harmonien. „Struggle Gives You Strength“ hat zwar einen hymnischen Gospelkern, droht aber streckenweise in die Soundkulisse der Lobby eines Wellnesshotels abzudriften. Zum Glück steuert da die Trompete mit großer Ernsthaftigkeit gegen.

„Dissatisfied Mind“ wiederum wirkt mit seinen Ecken und Kanten erstaunlich dissonant. Die Tritonus-Intervalle dürften manchen zunächst irritieren. Man könnte auch sagen: Sie steigern den Spannungsaufbau.

„Unshakable Mind“ dagegen hat eine Konstante, die sich durch das gesamte Stück zieht: den Ton A. „Relentless Mind“ lebt von der Wiederholung klei­­­ner Motive und wohlkonstruierten dynamischen Steigerungen. „Suji“ hat Jihye Lee einer ihrer besten Freundinnen gewidmet. Die Komposition setzt sich lediglich aus Dur-Akkorden zusammen. Im Wechsel rücken Klavier und Bläser in den Vordergrund, das Ganze klingt eher melancholisch. „Why Is That“ lehnt sich im weitesten Sinne an den Blues an. Als diese Komposition entstand, war Jihye Lee offenbar unzufrieden mit sich und der Welt – jedenfalls lässt die Musik dies assoziieren.

Das Album ist wie ein Tagebuch, in dem Jihye Lee ihre Erlebnisse und Emotionen in Melodien festhält. Nicht umsonst wird „GB“ durch ein wehmütiges Trompeten-Intro eröffnet. Die Nummer arbeitet eine Trennung auf. Es ist interessant, wie detailliert diese Werke Gefühle ausleuchten. So brechen sich hochemotionale Klänge Bahn, in die man sich fallen lassen kann.

Dagmar Leischow

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Jihye Lee Orchestra: Daring Mind

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Jihye Lee Orchestra: Daring Mind; Jihye Lee (cond), J. Lake (tp), M. Fahie (tb), S. Noelle (g), E. Gregor (b), M. Ferber (dr) u. a.; Gast: Sean Jones (tp); Motéma/Pias

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