Jakub Józef Orliński | Anima Sacra

„So spiel ich die Unschuld vom Lande,“ dachte sich der junge Countertenor Jakub Józef Orliński, nachdem er in Freizeitkleidung zu einer Radioaufnahme gekommen war und feststellen musste, dass da auch Publikum saß und dass gefilmt wurde. Die Unbefangenheit, mit der sich der Sänger in kurzen Hosen präsentierte, führte zusammen mit der Klangschönheit seiner Stimme zu zwei Millionen Klicks auf YouTube.

Entsprechend gespannt war man nun auf seine erste CD. Wenn es so etwas gibt wie keusche Sinnlichkeit – oder auch sinnliche Keuschheit –, dann ist es genau das, was Orlińskis Stimme ausmacht. Er singt 75 Minuten lang ausschließlich geistliche Barockmusik, größtenteils völlig unbekanntes Material. Es ist ja kein Geheimnis, dass viele Komponisten unter der Fuchtel der Kirche gar keine andere Möglichkeit hatten, als ihr Ausdrucksbedürfnis hinter Bibelsprüchen und in geistlichen Dramen zu verstecken. Und Orliński kitzelt diese Sinnlichkeit wieder heraus.

Was da bebend über seine Lippen kommt, mag im ersten Moment an den weißen Klang der frühen englischen Counter erinnern, doch sein Klang changiert in vielen Facetten. Alles kommt ohne Druck aus, die dramatischsten Koloraturen wie die feinsten Verzierungen: Da blühen Rosen auf, nicht Maschinengewehrgarben.

Die Wortverständlichkeit ist vorbildlich, und so dient aller Gesang immer der plastischen Darstellung der Szenen. Denn konkrete Vorgänge sind es ja meist, die in diesen geistlichen Motetten und Oratorien den Anlass zu sinnlicher Entäußerung geben. Das extra hierfür edierte Material bietet wahre Schätze, die unsere Kenntnis der neapolitanischen, römischen und auch Dresdner Musik erweitern. Il pomo d’oro begleitet unter Maxim Emelyanychevs Leitung einfühlsam oder auch spritzig, wie immer es der weite Ausdrucksbereich der Musik fordert.

Bernd Feuchtner

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Jakub Józef Orliński | Anima Sacra

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Anima sacra. Geistliche Barockarien von Fago, Heinichen, Terradellas, Sarro, Feo, Hasse, Zelenka, Schiassi u. Durante; Jakub Józef Orlinski, Il pomo d’oro, Maxim Emelyanychev (2018); Warner Classics