Iván Fischer | Mahler : Symphony No.7

Über seine siebte Sinfonie sagte Mahler: „Es ist mein bestes Werk und vorwiegend heiteren Charakters.“ Das Finale betreffend hielt Adorno dagegen: „Ein ohnmächtiges Missverhältnis zwischen der prunkvollen Erscheinung und dem mageren Gehalt des Ganzen wird man auch bei angestrengter Versenkung kaum sich ausreden lassen.“


Ivan Fischer und das Budapest Festival Orchestra retten Mahler jetzt vor den Skeptikern. Im Gegensatz zu Adorno sieht Fischer im Rondo eine Fülle von Charaktermasken aufmarschieren, wie die Handwerker aus Wagners „Meistersingern“, Musikamateure im besten Sinne, die am Sonntag lustvoll aufspielen. Bei prägnanter Gestik im Einzelnen fasst Fischer das Rondo unter einen Bogen, wie zuvor den langen ersten Satz, der vielen Dirigenten in unverbundene Episoden zerfällt. Zu Beginn lässt er das Tenorhorn-Solo wie ein sinisteres Chanson blasen, was allein diese CD von vielen orchestral polierten, aber gestaltlosen absetzt. Der erste Satz hat zwei wichtige Zielstellen, den paradiesischen H-Dur-Gesang vor der Rückführung zur Reprise, hier ergreifend entmaterialisiert schimmernd, und den Zusammenbruch der thematischen Entwicklung vor der Coda, wenn das tiefe Blech sich ohnmächtig ineinander bohrt – das hat atemraubende Verzweiflungsschwärze.
Die Emotion aber ist bei Fischer und seinen phänomenalen Musikern (Trompetengruppe, Solo-Horn, erste Oboe, Stimmführer der Streicher!) immer eine aus dem Notentext geborgene. Wenn Mahler in der ersten Nachtmusik von den Holzbläsern fordert: „Vorschläge vor dem Taktteil und sehr schnell“, dann ist genau das zu hören. Endlich einmal spukhaft, böse huschend gelingt das Scherzo, duftig die zweite Nachtmusik, detailliert, doch räumlich von der Tontechnik abgebildet.

Götz Thieme

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Iván Fischer | Mahler : Symphony No.7

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Mahler: Sinfonie Nr. 7; Budapest Festival Orchestra, Ivan Fischer (2015); Channel