Isata Kanneh-Mason | Romance Clara Schumann

Der Beginn des dritten Konzerts klingt, als bewegten sich Daniil Trifonov und Yannick Nézet-Séguin im Geleis der etwas unterkühlt anmutenden Eigeninterpretationen Sergej Rachmaninows. Indes bemerkt man schon bald eine gewisse Nivellierung der dramatischen Auf- und Abbauphasen. Da wirken Passagen wie die etwas trockenen Imitationen, die dem Höhepunkt der Kopfsatzdurchführung folgen, wie kompositorische Leerstellen.


Diese Defizite in der Nachzeichnung größerer Strukturen fallen in einem kontrapunktisch weniger verdichteten Werk wie dem ersten Konzert ungleich stärker auf. Der Kopfsatz ist auf extreme Kontrastwirkungen getrimmt, aber die Vermittlung zwischen den Sektionen fehlt. Auf abschnurrende Schnellstrecken folgen zähe Überleitungspassagen, an den Doppelstrichen wirken Meno-mosso- und Vivace-Abteilungen wie zusammengetackert.
Trifonov gelingt es kaum, größere Bögen auszusingen oder sich wiederholende Phrasen abzuwandeln. Alles zielt darauf, maximale Transparenz zu erzeugen. Den Solopart des Finales spult er derart mechanisch-überdreht ab, dass man glaubt, den Fragmenten einer apokryphen Etüde zu begegnen.
Das Spiel des Komponisten dagegen war  bei aller diskreten Effektscheu nicht nur in seiner pianistischen Lockerheit von einem anderen Stern, er dachte in weiten Bögen und größeren Einheiten. Aber auch die kleine Welt lebte. Der kurze Soloeingang des langsamen Satzes hat mit zehn (!) Anweisungen unerhörtes dynamisches Relief, und Rachmaninow wusste, warum er so kleingliedrig notierte. Trifonovs Einebnung solcher Mikroereignisse ist symptomatisch. Unerhört klar und fingerfertig spielt er, aber wirklich interessant ist das alles nicht.

Matthias Kornemann

Zur Übersicht
Isata Kanneh-Mason | Romance Clara Schumann

Bei unseren Partnern erhältlich als CD oder Download:

Bestellen bei JPC
Download bei qobuz
Musik:
5,00
Klang:
4,00

Destination Rachmaninow – Arrival. Klavierkonzerte Nr. 1 u. 3; Daniil Trifonov, Philadelphia Orchestra, Yannick Nézet-Séguin (2016/18); DG