Isabelle Faust | Schönberg: Violinkonzert, Verklärte Nacht

Schönbergs Violinkonzert ist bis heute in den Konzertsälen nicht heimisch geworden. Jascha Heifetz soll das Werk sogar als „unspielbar“ bezeichnet haben. Viel wahrscheinlicher ist, dass er die Musik nicht mochte, denn spielen konnte er alles.


Der Komponist ließ sich nicht beirren: „Ich freue mich, ein weiteres unspielbares Stück ins Repertoire gebracht zu haben. Ich will, dass dieses Konzert schwierig ist und der kleine Finger länger wird. Ich kann warten.“ Und so wartet er noch immer, denn die meisten Geiger haben das zwischen 1934 und 1936 entstandene atonale Werk nicht im Repertoire.
Isabelle Faust und das Schwedische Rundfunk-Sinfonieorchester unter Daniel Harding fügen der bis dato sehr überschaubaren Diskografie des Werkes eine Version hinzu, die in jeder Hinsicht höchstes Niveau besitzt. Zunächst macht die Solistin jede manuelle Schwierigkeit – und das sind viele – völlig vergessen. Faust agiert absolut frei, sie legt sich hinein in den Solopart, lässt ihn erblühen und erglühen. Plötzlich werden auch komplizierte Strukturen greifbar, nachvollziehbar und verlieren an abstrakter Ferne. Man ist verleitet, das diffizile Stück erneut zu hören, um noch mehr davon zu begreifen, es lohnt sich.
Wer sich dieser intellektuell fordernden Höraufgabe gestellt hat, kann beim zweiten Stück, Schönbergs Streichsextett „Verklärte Nacht“, wieder etwas entspannen. Nicht umsonst gehört dieser spätromantische Nachhall zu den meistgespielten Werken der Kammermusik des 20. Jahrhunderts. Und wenn er so filigran klangdifferenziert herüberkommt wie in dieser hochkarätig besetzten Neuaufnahme, hat das schon Erlebniswert.

Norbert Hornig

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Isabelle Faust | Schönberg: Violinkonzert, Verklärte Nacht

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Schönberg: Violinkonzert, Verklärte Nacht; Isabelle Faust, Aanna Katharina Schreiber, Antoine Tamestit, Danusha Waskiewicz, Christian Poltéra, Jean-Guihen Queyras, Schwedisches RSO, Daniel Harding (2019, 2018); harmonia mundi

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