Ingrid Jensen | Invisible Sounds: For Kenny Wheeler

Am Anfang stand der Wunsch, ein Tributkonzert auf die Beine zu stellen, dann kam ein Tributalbum dabei heraus – ein kongeniales zudem. Gewidmet ist es dem 2014 gestorbenen Trompeter/Komponisten Kenny Wheeler, einem der großen Stillen im Jazz, dessen Zurückhaltung ihn eher zum Musiker für Musiker als zum Publikumsmagneten werden ließ. Der Kanadier mit Sitz in England arbeitete mit berühmten Kollegen, beeinflusste jüngere Musiker ohne Zahl, nicht zuletzt aber schuf er ein Œvre, das auch von anderen gespielt wird – durchaus nicht selbstverständlich im Jazz von heute, wo so gut wie jeder Improvisator sich auch als Komponist versteht.

 

„Ingrid und ich sind ergebene Kenny-Fans,“ sagt Saxofonist/Klarinettist Steve Treseler aus Seattle, „wir hatten beide Gelegenheit, mit ihm zu arbeiten“. Und beide sehen sich in ihrem Spiel, ihrer Art zu schreiben, ihrer ganzen Auffassung von Musik unter Wheelers prägendem Einfluss. „Ich mag Kennys lyrische Art“, so die ebenfalls aus Kanada stammende Trompeterin Ingrid Jensen. „Als ich mir seine Komponierweise genauer ansah, wurde mir klar, dass er so schreibt, wie ich über Musik denke, nämlich vom Klavier und seinen vielen Oktaven her.“
Ein doppeles „Foxy Trot“ einmal im Studio, einmal live, rahmt das Album ein. In der Studioversion erweitert Jensens Schwester Christine (Sopransax) die Bläser-Frontline um eine dritte Stimme. Ohnehin solieren Trompete und Tenor kaum allein vor der hochkarätigen Rhythm-Section, sondern durchweg vor Gegenlinien, Kommentaren, Einwürfen des Gegenübers, was feine Texturen hervorbringt. Zwei Nummern mit „instrumental“ geführtem Gesang (Katie Jacobson) rufen Wheelers Arbeiten mit Norma Winstone wach. Der Meister selbst charakterisierte seine Musik gerne als „Balance von Melancholie und Chaos“. Was dieser musikalische Nachruf aufs Schönste umsetzt.

Berthold Klostermann

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Ingrid Jensen | Invisible Sounds: For Kenny Wheeler

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Ingrid Jensen / Steve Treseler: Invisible Sounds – For Kenny Wheeler; Ingrid Jensen (tp, effects), Steve Treseler (ts, cl, bcl), Geoffrey Keezer (p), Martin Wind (b), Jon Wikan (dr) u. a.; Whirlwind / Indigo