Herbert Schuch | Bagatellen

Die elf Stücke von György Ligetis Anfang der 1950er-Jahre komponierten Zyklus „Musica Ricercata“ spielt Herbert Schuch im Wechsel mit Beethovens Bagatellen op. 119. Die Verschränkung eines Frühwerks des Ungarn mit dem Spätwerk des Bonner Meisters ist alles andere als eine willkürliche Spielerei.


Ungeachtet der jeweils zeitgebundenen Stilistik prallen hier zwei kontrastierende Welten aufeinander, die sich in ihrem Wesenskern hingegen ähneln. Beiden Komponisten ging es nicht um belanglose „Kleinigkeiten“, auch wenn Beethoven diese Arbeiten mit offensichtlicher Ironie so bezeichnete. Vielmehr sind diese Miniaturen, einige davon nicht länger als eine Minute, kleine widerborstige Experimentierzellen, in denen das Material, von allen musikalischen Konventionen befreit, zu einem energetischen Konzent-
rat destilliert wird.
Durch die spannungsvolle Abfolge entsteht, wie Herbert Schuch schreibt, ein Zustand, „bei dem man als Zuhörer gar nicht mehr weiß, wer der Komponist ist“. Die komprimierte Radikalität, bei Ligeti noch konsequenter wahrnehmbar, klingt auch in den sechs gespielten Bagatellen op. 126 nach, weil der Ältere bereits das experimentelle Potenzial in sich trägt.
Neben dieser konzeptuellen Leistung  überzeugt Herbert Schuch auch durch sein hochsensibles Spiel. Die akribische Feinzeichnung der Notentexte ist ebenso beachtlich wie der sinnlich-lustvoll blühende Ton, der den Stücken körperliche Präsenz verleiht und Herbert Schuch vor dem Verdacht intellektueller Trockenlegung bewahrt. Ein wichtiges Vorecho des kommenden Beethoven-Jubiläums.

Frank Siebert

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Herbert Schuch

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Beethoven: Bagatellen op. 119 u. 126; Ligeti: Musica Ricercata; Herbert Schuch (2017); Avi