Hera Hyesang Park | I Am Hera

„Ich bin die Vielen“ – mit diesem philosophischen Paradoxon suchte der Maler Egon Schiele seine komplexe künstlerische Persönlichkeit zu erläutern. Ob Hera Hyesang Park bei ihrer Selbst-Befragung/-Findung im Booklet ihres ersten Recitals für die DG auch an Schiele dachte, wissen wir nicht.

Auf jeden Fall kam die koreanische Sopranistin zum Schluss, sie sei vor allem sie selbst, „I am Hera“, wenn auch in vielen Gestalten. Im Grunde ist diese Dramaturgie freilich geschickt über den Musterkoffer gestülpt, den solche Alben im Grunde repräsentieren: Die gewählten Nummern sind allesamt Kreuzungspunkte auf Heras beeindruckendem Karriereweg an die ersten Opernhäuser der Welt. So leiht sie ihre Persönlichkeit Händels Cleopatra wie Glucks Euridice, Pergolesis Serpina („La serva padrona“), Mozarts Susanna, Ilia, Zerlina und Pamina, Rossinis Rosina und Fiorilla, Bellinis Giulietta bis zu Puccinis Musetta und Lauretta. Dabei fließen die Person der Sängerin und die Persona der auf der Hörbühne vorgeführten Frauenfiguren ineinander; für jede sucht die Sopranistin die akustischen Kostüme zu wechseln, bleibt jedoch natürlich auch immer Hera. Ihre Stimme ist attraktiv, ausgeglichen in den Registern, sehnig und flexibel, sie singt sehr schön auf dem Atem und auf Linie, mit wunderbarem Mezza voce. Gelegentlich wirken ihre Interpretationen etwas „ferngesteuert“.

Aus vollem Herzen scheinen ihr indes die beiden koreanischen Kompositionen am Schluss zu kommen. Enttäuschend hingegen Paminas „Ach, ich fühl’s“ vor allem der mangelhaften, nachgerade parodistisch anmutenden Textaussprache wegen. Mit viel Feingefühl begleiten die Wiener Symphoniker unter Bertrand de Billy.

Gerhard Persché

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Hera Hyesang Park | I Am Hera

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I Am Hera. Gluck, Pergolesi, Händel, Mozart, Rossini, Bellini, Puccini, Joowon Kim, Un-Yung La; Hera Hyesang Park, Wiener Symphoniker, Bertrand de Billy (2020); Deutsche Grammophon

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