Gwilym Simcock | Near and Now

Natürlich kann der Mann Klavier spielen. Und wie: Vor Jahren erschien mit „Good Days At Schloss Elmau“ ein akustisches Überraschungsei: So frisch und frei, so brillant und fantasievoll, dabei von erlesenem Geschmack und einiger pianistischer Raffinesse hatte man Soloklaviermusik lange nicht gehört. Nun hat Gwilym Simcock auf „Near And Now“ nachgelegt.


Einmal in Ruhe zu Hause aufnehmen, das war immer der Traum des Pianisten. In der Vergangenheit hatte er seine Musik daheim komponiert und draußen in den Sälen und Studios eingespielt. Nun sollte es andersherum geschehen. Simcock erstand einen Flügel für seine Berliner Wohnung und stellte Mikros auf. Natürlich gibt es Vorbilder: vor allem Keith Jarretts intimes „The Melody At Night With You“. Aber so zurückgenommen wie Jarrett auf seinem Album ist Simcock lange nicht. Er ist eher auf ein Füllhorn der pianistischen Möglichkeiten aus, schwelgt in Harmonieprogressionen, lässt dazu die rechte Hand laufen. Seine meist mehrteiligen Stücke sind ganz unterschiedlichen Tastenkollegen gewidmet.
So gibt sich seine Hommage an Brad Mehldau rhythmisch stark akzentuiert. Tatsächlich spürt man da Mehldaus Schatten in Simcocks Spielweise. Erstaunlich lyrisch fällt dagegen seine Anlehnung an den Fusion-Keyboarder und Leader der Yellowjackets, Russell Ferrante, aus. Vielleicht am interessantesten klingt „Many Worlds Away“: Ungewöhnlich introspektiv nähert sich Simcock in einem weiten Spannungsbogen hier Egberto Gismonti. Jahrelang war Simcock mit Pat Metheny um die Welt getourt. Wann immer er konnte, griff er zum Stift, um musikalische Ideen zu skizzieren. Nun hat er sie wunderbar zum Klingen gebracht.  

Tilman Urbach

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Gwilym Simcock | Near and Now

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Gwilym Simcock: Near And Now; Gwilym Simcock (p); ACT / Edel