Gretchen Parlato – Flor

Es ist ihr erstes eigenes Album seit acht Jahren. Unterstützt von Größen wie Herbie Hancock oder Wayne Shorter, hatte sie den Durchbruch geschafft, das Publikum begann neugierig zu werden, da zog Gretchen Parlato sich schon wieder von der Szene zurück. Hier und da wirkte sie noch als „special guest“ mit, war Teil eines Singer/Songwriter-Trios mit Becca Stevens und Rebecca Martin – vor allem aber wurde sie Mutter. Wovon ihr Comeback-Album auch unaufdringlich und charmant kündet.

Da ist sie wieder, diese bezaubernde Stimme zwischen Hauchen und Flüstern, von überschaubarem Tonumfang, aber hinreißender Natürlichkeit. Als Kind entdeckte Klein Gretchen den Bossa-Nova-Meilenstein „Getz/Gilberto“ und verliebte sich in João (nicht Astrud!) Gilbertos sparsamen „laid back“-Gesang. Der prägt ihren Vokalstil bis heute, ob sie nun Brasilianisches singt, Klassisches, Jazz oder Pop. Gerne phrasiert sie knapp hinterm Beat, setzt den Atem rhythmisch ein und schafft Spannung zu ihren Musikern, die selbst mit rhythmisch-metrischen Finessen aufwarten. Die Stimme, ein Instrument unter Instrumenten, mal scat-artig wortlos eingesetzt, mal mit (zumeist) eigenen Lyrics.

Mit ihrem Kerntrio aus Gitarre, Cello, Percussion kleidet Parlato Brasil-Klassiker von João Gilberto und Pixinguinha in ein ungewohntes, aber feines Gewand. In Anita Bakers Soul-Popsong „Sweet Love“ steigt Gerald Clayton am E-Piano ein, Roy Hargroves „Roy Allan“ wird mit Airto Moreiras Stimme und Percussion zur lebhaften Samba. Großartig Gretchens Duett mit dem Cellisten („Rosa“), umwerfend ihr A cappella in J.S. Bachs Cello-Suite Nr. 1, BWV 1007. Und wenn sie dann ein halbes Dutzend Kinder hin­zuholt („Magnus“, „Wonderful“), entdeckt sie noch das Kind in sich selbst.

Berthold Klostermann

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Gretchen Parlato – Flor

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Musik:
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Klang:
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Gretchen Parlato: Flor; G. Parlato (voc), M. Carmago (g), A. Manukyan (cello), L. Costa (dr, perc); G. Clayton (p), M. Guiliana (dr), A. Moreira (perc); Edition/Membran

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