Gil Shaham | Beethoven: Triple Concerto

Das sogenannte Tripelkonzert für Klavier, Violine und Violoncello und das Trio für Klarinette, Violoncello und Klavier gehören nicht zu Beethovens populärsten Werken. Beiden fehlt der titanische Zug, beide setzen vor allem auf Befriedigung des Unterhaltungsbedürfnisses – beide drängen sich aber zu unvoreingenommener Würdigung und Neubewertung geradezu auf. Eine Chance, die sich die Musiker in dieser Aufnahme nicht entgehen lassen.

Die vermeintlichen Schwächen des Konzerts – das Desinteresse an motivischer Verarbeitung, die Erzählfreude, das Mitteilsame der Ideen – münzen sie eindrucksvoll in Stärken um. Man erlebt, wie aus der scheinbar locker gefügten Form dramatische Funken geschlagen werden, welch gestischer Reichtum in diesem Material steckt. Das Stiefkind in Beethovens Konzertschaffen ist hier einmal hochverdichtet, rhythmisch und artikulatorisch auf den Punkt gebracht. Gegenüber der vor noch nicht langer Zeit erschienenen agilen Basler Einspielung unter Giovanni Antonini (Sony) wird deutlich gewichtiger, sinfonischer, aber eben nicht behäbiger musiziert.

Wenngleich Beethoven dem Cello den Vorrang einräumt – den Anne Gastinel mit noblem Ton und leidenschaftlichem Einsatz auch für sich in Anspruch nimmt –, ist hier doch ein inspiriertes Miteinander der Solisten zu hören, Gil Shaham und Nicholas Angelich sei Dank.

Auch im Trio gehen die Musiker in ihren Partien auf, dass es eine Freude ist. Beeindruckend, wie Klavier und Klarinette ihre Figurationen in der Reprise des Adagios gestalten, ohne das Thema im Cello zu gefährden, aber auch ohne sich selbst zu verleugnen, wie das ernst genommene „con espressione“ zu einem Aufflackern nächtlicher Melancholie zu Beginn der Durchführung dieses Satzes führt. Und dass Variation 8 des Finales fast Schumann’sche Qualitäten besitzt, hat man wohl auch noch nicht so deutlich gehört.

Andreas Friesenhagen

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Gil Shaham

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Beethoven: Tripelkonzert, Trio op. 11; Gil Shaham, Anne Gastinel, Nicholas Angelich, Andreas Ottensamer, hr-Sinfonieorchester, Paavo Järvi (2015/17); Naive