Gary Bartz – Jazz Is Dead 6

Von allen Saxofonisten, die jemals mit Miles Davis spielten, dürfte der 1940 in Baltimore geborene Gary Bartz wohl derjenige sein, der am wenigsten Profit aus dieser Zusammenarbeit schlagen konnte. Dabei lieferte er einige der bemerkenswertesten Soli bei den berühmten „Cellar Door“-Sessions, verewigt auf „Live-Evil“, und war 1970 mit Sopran- und Altsax auch bei Miles’ legendärem Isle-of-Wight-Auftritt zu erleben. Danach verschwand er zwar beileibe nicht in der Versenkung, nach kurzzeitigen Erfolgen mit seiner Band Ntu Troop jedoch in der zweiten Reihe. Zunächst als Studiomusiker in L.A., um dann Mitte der 1980er-Jahre sowohl als Leader wie als gefragter, aber zumeist wenig beachteter Sideman zahlreicher Jazzgrößen wieder aufzutauchen.

Mit anderen Worten: Gary Bartz war ein idealer Kandidat für die Reihe „Jazz Is Dead“ der kalifornischen Produzenten Adrian Younge und Ali Shaheed Muhammad, die sich zur Aufgabe gemacht haben, heute fast vergessene Stars ihrer Jugend wieder ins Rampenlicht zu holen.

Doch anders als beim Vorgänger JID 5 mit Doug Carn (siehe FF 02/21) gesellen die zwei Multiinstrumentalisten neben Background-Chor und jeder Menge Spielzeug (u. a. Mellotron, Autoharp) nur einen jungen, ziemlich energischen Drummer zu ihrem mit relativ dünnem Ton, jedoch warm und geschmeidig blasenden Solisten. Dessen schnörkellos eingängige Melodien schweben duftig über den retro-seligen, heute wieder schwer angesagten Texturen der beiden Ex-Hip-Hopper, die mit Gary Bartz acht atmosphärisch dichte Tracks in gerade mal 28 Minuten abliefern. Zwar keine sonderliche Offenbarung, sind sie doch ein guter Grund, nun dem Lebenswerk des Saxofonisten nachzuspüren. Mission accomplished.

Sven Thielmann

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Gary Bartz – Jazz Is Dead 6

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Musik:
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Klang:
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Gary Bartz: Jazz Is Dead 6; Gary Bartz (as), Adrian Younge, Ali Shaheed Muhammad (p, el-p, el-b, org u. a.), Greg Paul (dr); Jazz Is Dead/Groove Attack

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