Friederike Chylek | From Byrd to Byrd

Die Cembalistin Friederike Chylek machte 2016 mit ihrem Album „Time stands still“ auf sich aufmerksam. Wies sie mit dem Titel auf das Lautenliedgenie John Dowland hin, so verschiebt sie nun den Schwerpunkt um eine Nuance, historisch gesehen um zwanzig Jahre: Hier rückt sie William Byrd in den Mittelpunkt ihres vielschichtigen Programms, den hochgeachteten Meister von Vokal- und Tastenmusik am Hof Elisabeths I.

 

An die Seite stellt sie ihm Matthew Locke, William Lawes, Thomas Morley und John Bull, der als Bearbeiter erneut Dowland ins Spiel bringt. Und wie auf dem ersten Album ist eine Suite von Henry Purcell beigegeben, fast als wäre seine jüngere Musik eine Art Eichmaß, ein Wegweiser für die Richtung, die die englische Tastenmusik nehmen sollte.
Damit reißt Chylek für den Hörer eine Perspektive auf, in der einerseits Purcell in seiner frankophilen Durchsichtigkeit als Muster an instrumentaler Eleganz und Ökonomie dasteht. Andererseits macht die Cembalistin im Vergleich mit den melodieseligen, harmonisch und kontrapunktisch reich ausgestalteten Werken Byrds und der ihm nachfolgenden Virginalisten auch deutlich, woher diese Kunst kam: aus einer Sanglichkeit, in deren Hintergrund immer vokal-polyfones Denken, schließlich aber Dowlands Liedkunst steht.
Start- und Schlussstück zeigen einen weiteren Aspekt auf: Byrds „The Bells“ und eine ausführlich entwickelte Hornpipe, Klangstücke, die sich in schwingender Resonanz ausbreiten. Die Bearbeitungen von Dowlands „Piper’s Galliard“ – die eine anonym, zwei weitere, virtuos verdichtet, von John Bull – bilden zusammen einen Querschnitt durch jene Spiel- und Satztechniken, die dieses Repertoire prägen und seine Faszination ausmachen. Am warm-glanzvollen, einem Ruckers-Cembalo von 1624 nachempfundenen Instrument von Matthias Griewisch entfaltet Friederike Chylek dabei eine Tastenbrillanz, die gleichwohl ganz ruhig im Metrum schwingt: atemberaubend.

Friedrich Sprondel

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Friederike Chylek | From Byrd to Byrd

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From Byrd to Byrd; Friederike Chylek, Cembalo (2017); Oehms