Fred Hersch | Begin Again

„Begin Again“: Wieder von vorn anfangen zu müssen, das hat Fred Hersch einst schmerzvoll erlebt. Jetzt betritt er „nur“ musikalisches Neuland. Erstmals präsentiert sich der Pianopoet, der eher für kleinere Besetzungen bekannt ist, im Großformat. Für sein Solo-/Duo-/Trio­spiel insgesamt 14 Mal Grammy-nominiert, trifft er mit der WDR Big Band auf einen Klangkörper, mit Vince Mendoza auf einen Arrangeur, die mehrfach mit dieser Trophäe ausgezeichnet und noch häufiger dafür nominiert wurden. Eine Begegnung auf Grammy-Niveau. Für diese stellte Hersch einen Querschnitt aus früher eingespielten Originals zusammen; neu ist allein das Titelstück.


Los geht’s sinnigerweise mit „Begin Again“, das an Herschs eigenen Neuanfang erinnert: Fiel doch der Pianist, der sich zu Beginn seiner Karriere als schwul und HIV-positiv outete, 2008 wegen Nierenversagens wochenlang ins Koma und musste nach seiner „Wiedergeburt“ das Klavierspielen von Grund auf neu lernen. Die changierenden Klangfarben und metrischen Uneindeutigkeiten des Stücks darf man als Schwebezustand zwischen Tod und Leben deuten. Am Ende des Albums steht eine Hommage an Herschs Partner, der ihn betreute („The Orb“).
So ergibt sich eine thematische Klammer für die gesamte Produktion, die wie ein mehrteiliges Werk „komponiert“ ist. „Out Someplace“ gedenkt eines Studenten, der 1998 Opfer eines Raubmordes aus Homophobie wurde. Andere Stücke sind von Genres, Stilen, Formen („Pastorale“, „Ballad“) oder von Orten und deren Musik inspiriert, etwa „Havana“. Und Mendoza bestätigt mit farbenreichen Orches­trierungen seinen Rang als „der“ Impressionist unter heutigen Arrangeuren.

Berthold Klostermann

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Fred Hersch | Begin Again

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Fred Hersch & The WDR Big Band: Begin Again; Fred Hersch (p), WDR Big Band, Vince Mendoza (arr, cond) Palmetto / H’art