Franziska Pietsch | Works for Solo Violin: Bartók, Prokofiev & Ysaÿe

Es ist mutig, ein Album ausschließlich mit Sonaten für Violine solo vorzulegen, stehen diese Werke doch zumeist ein wenig im Schatten der klangvolleren Arbeiten für Violine und Klavier. Doch wenn diese Solosonaten so engagiert und ausdrucksstark vorgetragen werden wie hier von Franziska Pietsch, dann hat sich dieser Mut gelohnt. Pietsch, die noch in der DDR als Wunderkind Karriere machte und seitdem vorwiegend als Konzertmeisterin und Solistin arbeitet, konzentriert sich dabei auf Arbeiten der Spätromantik und der frühen Moderne.

Béla Bartóks Sonate für Violine solo gehört unbestritten zu den größten Meisterwerken der Literatur für dieses Instrument. Entstanden 1944 im New Yorker Exil für Yehudi Menuhin, verweist das Werk bereits in seiner Anlage mit einer großen Chaconne als Kopfsatz, gefolgt von einer Fuge, auf die Sonaten für Solo-Violine Johann Sebastian Bachs. Im ersten Satz wirkt die Interpretation Pietschs sehr expressiv, mitunter sogar aggressiv und mit großen dynamischen Kontrasten. Dabei gelingen ihr vor allem die polyfonen Passagen äußerst eindrucksvoll, während die lyrischen Abschnitte manchmal etwas unterkühlt wirken. Kraftvoll und emotional packend dagegen ihre Version der Fuge, zart und einfühlsam das zentrale liedhaft-melancholische Adagio.
Ohne diese Bedeutungstiefe kommt die Solosonate von Sergej Prokofjew daher. Das liegt vermutlich daran, dass sie ursprünglich als Übungsstück für Geigenstudenten gedacht war. Es ist ein heiteres, unkompliziertes Werk. Man hört Franziska Pietsch die Freude an, mit der sie sich dieser Musik annimmt. Da wird jede melodische Phrase ausgekostet, jeder kompositorische Einfall zelebriert. Sätze aus den Solo-Sonaten Eugène Ysaÿes sind heute meist nur noch als Zugaben zu hören. Dass sich eine intensivere Beschäftigung mit diesen Werken lohnt, stellt Pietsch hier eindrucksvoll unter Beweis.

Martin Demmler

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Franziska Pietsch | Works for Solo Violin

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Bartók: Sonate für Violine solo; Prokofjew: Violinsonate D-Dur op. 115; Ysaÿe: Sonaten für Violine solo op. 27 Nr. 2 u. 3; Franziska Pietsch (2018); Audite

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