Franco Fagioli | Händel: Serse

Nachdem „Ombra mai fu“ verklungen ist, gesungen von Franco Fagioli in einem feinen Vibrato, wie es sonst nur den besten Mezzosopranistinnen zu Gebote steht, fackelt und lodert es in dieser Oper bis zum Schluss, bis zu Serses berühmter Wutarie „Crude furie“, die Fagioli mit atemberaubender Virtuosität hinschmettert. Wer diese beiden Arien so darbieten kann, ist über jeden Zweifel erhaben, auch wenn man seine Stimme in den anderen Nummern vielleicht als etwas eng empfindet.

 

In diesem vorwärtsdrängenden Impetus befinden sich auch die anderen Rollen, etwa Romilda, Serses Objekt der Schwärmerei, in „È gelosia“, wo sie über Eifersucht zunächst nur nachdenken wollte, statt sich, wie Inga Kalna es tut, dieser heftigen Empfindung vollständig auszuliefern. Oder Vivica
Genaux als Serses Gegenspieler Arsamene: Sie verleiht ihrer Stimme in „Amor tiranno“ einen geradezu männlichen Klang, was hier nicht unpassend ist.
Händels „Serse“ ist eine komische Oper, auch und vor allem durch das kokette Gebaren von Romildas Schwester Atalanta. Aber auch Francesca Aspromonte singt meist mit opernhaftem Pathos. Da freut man sich, wenn man sie in „Dirà che amor“ stattdessen in einer beiläufigen Fröhlichkeit hört. Oder wenn Delphine Galou als die von Serse verschmähte Amastre in „Cagion son io“ einmal nicht Wut und Empörung Raum gibt, sondern ihrer Melancholie in einer sanft schwingenden Melodie.
Man erlebt Händels Oper hier in einer durchaus ungewöhnlichen Interpretation, mehr in Richtung Opera seria mit großer Emphase und existenziellen Konflikten, weniger mit Galanterie und Komödie. Dazu trägt der höchst versierte Cembalist Maxim Emelyanychev bei, der mit dem Ensemble Il Pomo d’oro in schönster Präzision und selbstbewusster Spielfreude jedesmal kräftige Ausdrucksakzente in den Arien setzt.

Richard Lorber

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Franco Fagioli | Händel: Serse

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Händel: Serse; Franco Fagioli, Vivica Genaux, Delphine Galou, Andrea Mastroni, Inga Kalna, Francesca Aspromonte, Biagio Pizzuti, Cantica Symphonia, Il Pomo d’Oro, Maxim Emelyanychev (2018), Deutsche Grammophon