Fabian Müller | Brahms: Klavierwerke

Sich heute als junger Pianist mit Klavierstücken von Brahms zu Wort zu melden, erfordert schon einigen Mut. Denn es gibt von mehreren ganz Großen der Zunft Aufnahmen, denen mit Fug und Recht Referenzcharakter zugeschrieben wird.

Und niemand kann erwarten, dass auch ein noch so begabter Twen in seinem Spiel beispielsweise schon an die überlegene Draufsicht eines Rubinstein, an die zweite Naivität eines Kempff, an die Versunkenheit eines Gilels oder, noch ausgeprägter, eines Sokolov herankommt.
Aber Fabian Müllers Debüt für Berlin Classics, eine überlegte Zusammenstellung je eines Opus aus Brahms᾿ früher, mittlerer und späterer Schaffenszeit, braucht sich vor nichts und niemandem zu verstecken. Was das Spiel des 28-jährigen Bonners auszeichnet, der bei Pierre-Laurent Aimard studiert hat und zwischen 2011 und 2017 bei wichtigen Wettbewerben auf sich aufmerksam machen konnte, ist neben einer vorbildlich minutiösen Texttreue und totaler Abwesenheit unangebracht „persönlicher“ Manier oder virtuosen Gehabes die gelungene musikalische Sinnerfüllung. In keinem der fünfzehn Titel hört man auch nur einen einzigen Takt, der gedankenlos heruntergespielt wirkt.
Müllers Darstellung, rhythmisch angemessen „atmend“, ist im Ton vielleicht noch nicht immer optimal biegsam und farbig. Aber sie klingt durchweg emotional gespannt, sensibel und bis ins kleinste Motiv charakteristisch durchmodelliert: Es ist die Brahms-Sicht eines jungen Interpreten, die in ihrer Art unangreifbar ist und der man sich ohne Bedenken und mit Gewinn anvertrauen kann.
Die Aufnahme, für die Müller sich offenbar Zeit lassen konnte (der Begleittext nennt drei statt der heute üblichen zwei Sitzungstage) lässt auch klangtechnisch keine Wünsche offen, bietet Präsenz, differenzierte Fülle und Offenheit in überzeugender Balance.

Ingo Harden


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Brahms: Vier Balladen op. 10, Acht Klavierstücke op. 76, Drei Intermezzi op. 117; Fabian Müller (2018); Berlin Classics

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