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Ensemble Lundabarock, Höör Barck | Monteverdi: L’Orfeo

In einer Zeit, in der Barockopern immer mehr zum wehrlosen Opfer profilneurotischer Dirigenten und Regisseure werden, stimmt diese Aufnahme hoffnungsfroh, denn Fredrik Malmberg dreht nicht weiter an der Schraube des Lauten und Spektakulären, sondern stellt eine intime, kammermusikalische Lesart von Monteverdis „Orfeo“ vor. Es sind keine Stars, die hier agieren, keine Solisten, die sich nach Kräften voneinander absetzen wollen, sondern fest aufeinander eingeschworene Musiker, die wie in einem Madrigalensemble miteinander agieren und sich auch einmal zurücknehmen können, wenn anderes gerade wichtiger ist.

So trumpft Johan Linderoth als Orfeo nicht auf, sondern begibt sich mit sanfter Sehnsucht und großem Respekt vor höheren Mächten auf die Suche nach seiner Euridice (Christine Nonbo Andersen). Kristina Hellgren umgarnt den Hörer in ihrer Doppelrolle der Musica und Proserpina mit einem subtilen Mezzoforte, Anna Zander (Speranza) schüchtert Orfeo an den Pforten zur Unterwelt nicht ein, sondern stimmt ihn nachdenklich, und auch die Hirten und Geister des Vokalensembles Lundabarock zeichnen ein feines, sehr stimmiges Gesamtbild.

Gleiches gilt für die schwedischen Ensembles Höör Barock (Streicher, Holzbläser und Continuogruppe) und Altapunta (Zinken und Blechbläser): Ihr Spiel ist wach, nuanciert und durchaus farbig, aber immer sehr harmonisch und außerordentlich klangschön. Man hört ihnen einfach gern zu und entdeckt dabei einige Details, die in einer lauteren Interpretation untergingen. Einmal mehr wird deutlich, dass es bei dieser Musik nicht auf die Größe, sondern auf die Genauigkeit der Gesten ankommt. Diesbezüglich kann Fredrik Malmbergs Interpretation durchaus dem Vergleich mit Andrew Parrotts Referenzeinspielung (Avie) standhalten.

Matthias Hengelbrock

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