Enrico Pieranunzi & Bert Joris | After­glow

Er ist der Doyen italienischer Jazzpianistik, der 71-jährige Enrico Pieranunzi. Als geschätzter Partner amerikanischer Größen setzte er markante Duftmarken, besonders spektakulär 1987 hinter Chet Baker mit Charlie Haden und Billy Higgins auf dem grandiosen Album „Silence“. Dass nun gleich zwei im Abstand von zwei Jahren aufgenommene Duoscheiben von ihm erscheinen, bietet reizvolle Einblicke in seine poetische Klangsprache.

Sowohl mit dem belgischen Trompeter Bert Joris als auch mit dem dänischen Bassisten Thomas Fonnesbæk pflegt der römische Pianist eine lange musikalische Freundschaft, was das vertraute Parlando ihrer Dialoge erklärt. Diese zu vergleichen, ist nicht ganz fair, weil auf „Afterglow“ die Trompete naturgemäß präsenter ist als der Bass auf „The Real You“. Beide eint die harmonisch reiche, melodisch fantasievolle und oft kantable Geläufigkeit von Pieranunzis delikatem Pianospiel, das in heiterer Gelassenheit durch Raum und Zeit mäandert. Was Bert Joris mit zart vibrierender Intensität geschmeidig überglänzt, während au contraire Thomas Fonnesbæk die Tiefen mit erdig-warmem Ton beseelt.

Dennoch korrespondiert so manches, etwa Pieranunzis fast barock klingender „Cradle Song For Mattia“ (mit Joris) und die Piano-Bass-Improvisation „Bill And Bach“, die beide den gleichen Geist versprühen. Dass der von Bill Evans beeinflusste Italiener tief in der europäischen Tradition wurzelt, ist auf beiden Alben immer wieder schön zu hören. Deren unterschiedliche Farben fügen sich zu einem famosen Gesamtbild von Enrico Pieranunzi – bravissimo, maestro!

Sven Thielmann

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Enrico Pieranunzi & Bert Joris | After­glow

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Enrico Pieranunzi & Bert Joris: After­glow; Enrico Pieranunzi (p), Bert Joris (tp, flh); Challenge/Bertus

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