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Elsa Dreisig | Morgen

In ihrem Debütalbum hielt sie ihren Opernfiguren den Spiegel vor. Nach den orchestral begleiteten „Miroirs“ folgt nun eine Liedplatte mit Klavier. „Morgen“, das grandios musizierte Strauss-Lied, ist titel- und sinngebend. Es steht am Ende des gelungenen Konzeptalbums, das mit „L’invitation au voyage“ von Henri Duparc beginnt.


Elsa Dreisig wandert durch die Tages- und Jahreszeiten, der Zyklus der Liedauswahl öffnet sich in den ewigen Kreislauf des Werdens und Vergehens. Dabei gibt es vier Marksteine: die „Vier letzten Lieder“ von Richard Strauss in Klavierfassung. Und zugleich beinhaltet diese Beschreibung ein Stück deutsche Überheblichkeit: Sollten die sieben Lieder von Duparc, darunter einige der berühmtesten wie „Phidylé“ und „Extase“, oder die sechs Romanzen op. 38 von Rachmaninow nur Beiwerk der deutschen Tonkunst sein?
Sind sie natürlich nicht. Dreisig nimmt sich die Freiheit, die „Vier letzten Lieder“ über die ganze Einspielung zu verteilen, was der Hörgewohnheit widersprechen mag, nicht aber dem Willen des Komponisten, der diese Lieder eben nicht als festen Zyklus angelegt hat. Dreisig meistert die emotional bewegenden Megaphrasen und -aufschwünge und setzt ihr durchaus noch zur Zartheit fähiges lyrisches Material dabei sehr klug und technisch verblüffend sicher ein. In der Klavierfassung klingt manches weniger dicht (der Beginn von „Im Abendrot“ etwa), animiert gleichzeitig jedoch dazu, neu zuzuhören. Das liegt auch am hervorragenden Klavierspiel von Jonathan Ware, bei dem selbst die langen Liegetöne eine große Spannung haben. Beeindruckend ist auch, welche Klangfülle Dreisig für Rachmaninow aufzubieten weiß. Für alle drei Komponisten bringt sie Einfühlungsvermögen, Vorstellungskraft und große innere Ruhe mit. Eine wahrhaft europäische Meisterleistung!

Johannes Schmitz

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Elsa Dreisig | Morgen

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Morgen. Lieder von Strauss, Rachmaninow, Duparc; Elsa Dreisig, Jonathan Ware (2019); Erato

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