Elliot Galvin - Tom McCredie | Modern Music

Was für ein Kontrast zum verspielten, mit Effekten durchsetzten Vorgänger „The Influencing Machine“. Verglichen damit ist Elliot Galvins drittes Trioalbum eine Überraschung. Entdeckt doch der junge britische Pianist wieder eine Ästhetik der Sparsamkeit für sich, die er fast aus dem Blick verloren hatte. So sehr war seine Musik mit elektronischen und anderen Kleinigkeiten gespickt, dass man sich fragen mochte, wie er dies wohl auf die Bühne bringen könnte.


Ein Solokonzert von Jason Moran brachte ihn dann zum Nachdenken: „Es erinnerte mich daran, warum ich liebend gerne Jazz und akustische Musik spiele, so direkt, so menschlich war es. Solch ein Album wollte ich machen.“ Angefangen beim Aufnahmeverfahren: live im Studio, in schönster Vintage-Manier direkt in Vinyl geschnitten, jede LP-Seite in einem Rutsch (daneben gibt es auch eine CD-Version). Nicht umsonst soll „Modern Times“ auch an Charlie Chaplins technikkritischen Filmklassiker erinnern. „In der digitalen Welt von heute etwas Analoges zu machen,“ so Galvin, „ist eine leise Form von Protest“.
Mit seinen langjährigen Partnern war er vertraut genug, um sich auf das Ohne-Netz-und-doppelten-Boden-Wagnis einzulassen. Dem Produktionsverfahren gemäß spielt das Trio ökonomisch, klar, transparent. Corrie Dick klopft auf der Snare trockene Beats, Tom McCredie gibt den zuverlässigen Steuermann, Galvin changiert zwischen Blockakkord-Staccato und Tastenstreicheln, wiederholten Motiven und perlenden Läufen. So stoisch kann er ein und denselben Akkord drücken, dass man sich fragt, ob er noch einen zweiten draufhat. Anstelle von Effekten hier ein Griff ins Klavier, da ein gestrichener Bass, dort ein Händeklatschen. Und ein wunderbar warmer Sound.    

Berthold Klostermann

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Tom McCredie

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Musik:
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Klang:
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Elliot Galvin: Modern Times; Elliot Galvin (p), Tom McCredie (b), Corrie Dick (dr); Edition / Membran