Diego Pinera | Despertando

Manchmal hat es ungeahnte Folgen, wenn man den Musikunterricht der großen Schwester stört. „Ihr Gitarrenlehrer fand, dass ich was draufhätte“, erinnert sich der aus Montevideo stammende Schlagzeuger Diego Piñera, dem ACT für sein Label-Debüt „Despertando“ die Tilde aus dem Namen strich: „Wie ich so beim Zuhören den Beat mitklopfte, das sei nicht normal für einen Vierjährigen. Also bekam ich einen Lehrer.“ Und was für einen!

Kein Geringerer als Osvaldo Fattoruso, Uruguays Star-Trommler, übernahm für satte 13 Jahre seine Ausbildung, die der gerade Volljährige dann in Havanna, Boston und ab 2003 in Leipzig zur Vollendung brachte. Seither geht es für den inzwischen 37-jährigen Wahl-Berliner steil bergauf.

Auf „Despertando“ widmet sich der Liebhaber vertrackter Odd Meters („krummer Takte, sagt man wohl“) nun erfreulich unnostalgisch den Einflüssen seiner Kinder- und Jugendtage. Und setzt als Erstes mit „Osvaldo por Nueve“ seinem Lehrmeister ein vom in Uruguay populären Candombe inspiriertes Denkmal. Wobei Tino Derado am Piano latin-selig schwelgt und Daniel Manrique-Smith neben feinen Flöten-Lines auch packende Stakkato-Akzente setzt. Danach zieht Ellington’s „Caravan“ vergnügt durch Havanna, diskret gelenkt von Omar Rodriguez Calvo am sonoren Tieftöner. Während der Titel-Track mit Akkordeon, Steel-Drums und Julian Wasserfuhrs zartem Horn träumerische Glücksgefühle weckt. In dem entzückenden Reigen der Originals fallen drei Klassiker naturgemäß besonders auf: tänzerisch Sonny Rollins’ famoses „St. Thomas“, dessen Melodie Wasserfuhr duftig serviert, wogegen bei Gato Barbieris „Last Tango In Paris“ dem auch gestrichenen Bass die tragende Rolle zukommt. Noch so ein Traum: „La Comparsa“ des Kubaners Ernesto Lecuona, dessen heitere Pracht sich Flöte und Piano brüderlich teilen. Nicht nur da bereichert Diego Pinera den Latin-Jazz mit frischen Farben und delikaten Rhythmen.

Sven Thielmann

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Diego Pinera | Despertando

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Musik:
4,50
Klang:
4,50

Diego Pinera: Despertando; Diego Pinera (dr, perc, steel dr), Tino Derado (p, acc), Omar Rodriguez Calvo (b), Julian Wasserfuhr (tp, flh) u. a.; ACT / Soulfood