Denny Zeitlin: Solo Piano | Remembering Miles

Für Denny Zeitlin stellte sich in beruflicher Hinsicht nie die Entweder-oder-Frage: Mit der gleichen Leidenschaft, mit der er seit über einem halben Jahrhundert als Psychiater arbeitet, ist er auch als Pianist im Modern Jazz präsent. Bereits sein im Jahr 1964 erschienenes Debütalbum „Cathexis“ begeisterte Kollegen wie zum Beispiel Bill Evans. In der Folgezeit spielte er mit prominenten Musikern, unter ihnen Joe Henderson, Charlie Haden und Pat Metheny.


Mit seinem exzellenten Soloalbum „Remembering Miles“ entpuppt sich Denny Zeitlin als subtiler Kenner von akribisch ausgewählten Themen, die in Miles Davis’ Karriere wichtig waren. Wie in einem Zeitraffer werden damit die stilistischen Wandlungen des berühmten Trompeters aufgezeigt: Sie führten ihn vom Bebop, wie in dem Stück „Milestones“ aus dem Jahr 1947, zu Hardbop-Erkundungen („Stablemates“), modalem Jazz („Flamenco Sketches“ aus dem Kultalbum „Kind Of Blue“) bis hin zu Fusion mit den Themen „Time After Time“ und „Tomaas“.
Dass er dabei niemals in Versuchung gerät, in seinen Ausführungen Davis’ melodische Linien nachzuempfinden, macht den Reiz von Denny Zeitlins Interpretationen aus. Immer schlägt er eigene improvisatorische Wege ein. Sie führen traumwandlerisch zu melodiösen Motivfolgen, die Themen wie Davis’ Eigenkomposition „Solar“ und dem auf einem schwedischen Volkslied beruhenden „Dear Old Stockholm“ eine bestechende Eleganz geben. Mit welchem Feeling Denny Zeitlin den von Miles Davis komponierten Blues „Weirdo“ auslegt, wobei er bereits das Thema leicht verändert und im Verlauf seiner Improvisation feine melodische Akzente setzt, charakterisiert die Methodik eines Künstlers, für den seelenlose Routine ein Fremdwort ist.

Gerd Filtgen

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