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Dave Liebman & Richie Beirach | Empathy

Die schlichte Kartonage dieser Fünferbox täuscht über den farbenreichen Inhalt, denn was Dave Liebman und Richie Beirach hier vorlegen, ist nichts weniger als die Essenz ihrer über 50-jährigen Partnerschaft. Ein opus magnum, dessen Vertrautheit, Eleganz und Intensität einzigartig und höchstens auf früheren Duoalben ihres gewaltigen Œuvres zu finden sein dürften. Nicht eine vorab schriftlich fixierte Note taucht auf, der Saxofonist und der Pianist verlassen sich ausschließlich auf ihre Fähigkeit, in frei improvisierter Erzählung ihre lebenslange Erfahrung zu reflektieren. Was sie auf „Empathy“ (CD 1) in trauter Eintracht anhand von Schlüsselwörtern wie „Instinct“, „Truth“, „Intuition“, „Integrity“ oder „Telepathy“, gekontert von Gegenbegriffen wie „Beauty“ und „Joy“, delikat durchdeklinieren – und im 32-seitigen Booklet auch treffend erläutern.

Ihre Begegnung mit Drummer Jack DeJohnette als Gast auf „Lifelines“ (CD 2) zeigt dagegen dynamischere Interaktionen. Im faszinierend mäandernden Spielfluss donnern auch mal Piano-Kaskaden, jubelt das Saxofon hypernervös, pulsieren Trommeln, schwirren Becken in atmendem Austausch einer imposanten Ménage-à-trois, die selbstloses, organisch-spritziges Geben und Nehmen als ein Fest freier Improvisation zelebriert.

Zwei weitere Scheiben demonstrieren die hohe Kunst solistischer Klangentfaltung. Auf „Aural Landscapes“ (CD 3) bietet Liebman – meist am Sopransax, selten ergänzt um etwas Piano aus eigener Hand – stupende High-Note-Artistik ohne jede Kraftmeierei, deren melodischer Reichtum manchem Komponisten die Tränen in die Augen treibt. Was auch für die zehn „Improvised Dedications“ auf „Heart Of Darkness“ (CD 4) gilt, die Beirach in superber Klangpracht am Flügel spielt. Lauter duftige Kleinode, die durch Raum und Zeit schweben und das Herz jedes Klavierliebhabers erwärmen. Ein reifes Meisterwerk, das allein schon den Kauf der Box zum Muss macht.

Abgerundet wird das Schatzkästchen von der 50-minütigen Collage „Aftermath“ (CD 5), wo die beiden Stars über einem Basis-Track mit elektronisch modifizierten Pauken und Gongs unter Aufbietung all ihrer Instrumente frei agieren. Das Ergebnis wurde dann um diskrete Synthie-Sounds ergänzt und in jene finale Form gebracht, die nun zwischen hart und zart oszillierend weitere Facetten eines Dreamteams zeigt, das sich jetzt mit „Empathy“ ein überragendes Denkmal geschaffen hat.

Sven Thielmann

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Dave Liebman & Richie Beirach | Empathy

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Musik:
5,00
Klang:
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Dave Liebman & Richie Beirach: Empathy; Dave Liebman (ts, ss, fl, p), Richie Beirach (p, el-p), Jack DeJohnette (dr) u. a.; Jazzline/Broken Silence (5 CDs)

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