Daniele Di Bonaventura | Garofani Rossi

Lieder des Widerstands und der Revolution sind ja, vorzugsweise von großen Menschenmassen, „auf den Straßen zu singen“ (Hanns Eisler). Entsprechend schlicht und eingängig sind sie gehalten. Interessieren sich Jazzmusiker dafür, solche Lieder zu spielen? Nicht nur Peter Brötzmann oder Das Kapital haben es getan („Einheitsfrontlied“), auch Feingeister wie Charlie Haden (mit seinem Liberation Music Orches­tra) oder Jan Garbarek („Hasta Siempre“).


Jetzt nimmt der italienische Bandoneonist Daniele di Bonaventura sich ihrer an. Ihn kennt man etwa als Duopartner von Paolo Fresu, auf dessen feinem Label Tûk er nun erscheint.
Wie der wortspielerische Bandname „Band’Union“ sein Instrument mit der Vorstellung eines Kollektivs verknüpft, hat Witz. „Garofani rossi“ („Rote Nelken“), der Titel des Albums, und die Wandmalerei auf dem Cover weisen auf die „Nelkenrevolution“ von 1974 in Portugal, das Ende der Militärdiktatur. Ausgelöst wurde sie durch ein Lied: „Grândola, vila morena“, das 2013 gegen die Sparpolitik von Regierung und Troika erneut aktiviert wurde.
Dieses stellt Bonaventura ins Zentrum seines Albums, umgeben von „Hasta siempre“, „Bella ciao“, „Die Internationale“, „El pueblo unido …“ und anderen Klassikern des Genres. Mit seinem Quartett unterstreicht er ihren kantablen Gestus, reichert sie harmonisch an und schafft Raum für einfühlsame Improvisationen. Der Klang des Bandoneons verleiht dem Ganzen einen Hauch von modernem Tango, sein Zusammenspiel mit einer zehnsaitigen Gitarre ist von kammermusikalischer Finesse. Kampflieder als filigran-mediterraner Jazz, ohne ihr widerständiges Potenzial glattzubügeln.

Berthold Klostermann

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Daniele Di Bonaventura | Garofani Rossi

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Daniele di Bonaventura Band’Union: Garofani rossi; Daniele di Bonaventura (bandoneon, p), M. Peghin (10-string g), F. del Gaudio (b), A. Laviano (dr) Tûk / Edel