Daniel Lozakovich | None but the Lonely Heart

Im Sommer 2018 erschien bei der Deutschen Grammophon das Debütalbum von Daniel Lozakovich. Der junge schwedische Geiger russischer Abstammung profilierte sich mit einem BachProgramm als ein Künstler mit seriösem Profil, musikalisch überzeugend und geigerisch über jeden Zweifel erhaben. Seine zweite Aufnahme setzt den Fokus ganz auf Tschaikowsky, das Violinkonzert und eine Reihe romantischer Miniaturen, die meist Bearbeitungen sind.


Zunächst ist Lozakovich von der ersten Note an wieder der souveräne Geiger. Er stellt den Solopart ganz klar in den Raum, tonschön, farbig, mit einem relativ eng schwingenden Vibrato, ausgeführt auf der berühmten Stradivari „Le Reynier“ von 1727, die eine Zeit lang von Maxim Vengerov gespielt wurde. Lozakovich hat alles unter Kontrolle, nicht nur Finger- und Bogenhand, sondern auch seine Emotionen. Er ist kein Draufgänger, der sich oder anderen etwas beweisen muss, auch klingt sein Spiel in keiner Weise manieriert. Es ist kultiviert, mit kalkuliertem Risikofaktor. Schade, dass er den langsamen Satz, die „Canzonetta“, nicht wie von Tschaikowsky vorgeschrieben „con sordino“, also mit Dämpfer spielt. Auch viele andere verzichten auf diesen besonderen Klangeffekt, und der Satz verliert etwas von seinem Zauber.
Die kurzen Stücke spiegeln ein Kalei­doskop von Gefühlen, der Titel der CD ist hier Programm. „None but the Lonely Heart“ (Nur wer die Sehnsucht kennt) signalisiert pure Melancholie. Die Bearbeitung des berühmten Liedes für Violine und Klavier stammt von Mischa Elman. Am Schluss wird es wieder beschwingter mit dem „Valse Scherzo“, und man fragt sich, wie sich dieser junge, hochbegabte Geiger wohl weiterentwickeln wird.
 

Norbert Hornig

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Daniel Lozakovich | None but the Lonely Heart

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None but the Lonely Heart. Tschaikows­ky: Violinkonzert op. 35, Arien, Lieder u. a.; D. Lozakovich, S. Soloviev, Russi- sche Nationalphilharmonie, Vladimir Spivakov (2019); Deutsche Grammophon