Danae Dörken | East and West

Es gibt beim Abhören dieses neuen Recitals von Danae Dörken Stellen, an denen der Kritiker unweigerlich die Stirn zu runzeln beginnt. Zum Beispiel, wenn die jetzt 28-Jährige in einem Stück wie der cis-Moll-Polonaise von Chopin ein halbes Dutzend verschiedener Tempi anschlägt. Oder ein bisschen auch, wenn sie einige der Nocturnes von Francis Poulenc unverhohlen romantisiert.


Aber der Gesamteindruck der auch klanglich überzeugenden Neuproduk­tion ist durch diese Eigenheiten nicht wesentlich beeinträchtigt. Er ist stark, sehr stark sogar, und wird bestimmt von der außerordentlichen Fähigkeit Dörkens, den emotionalen Gehalt von Musik ohne spieltechnisch bedingte Verluste in ein noch jugendlich weiches, immer aber dynamisch reiches und lebendiges Klanggeschehen umzusetzen. Man begegnet nur selten CDs, in denen der musikalische „Flow“ sich durch das Medium des Klaviers (dieses – Zitat Emil Gilels – „nicht leicht bezähmbaren Elefanten“) so frei, so uneingeschränkt und fantasievoll beweglich entfalten kann wie hier. Die zwölf Schubert-Ländler D 790 etwa sind kaum schöner, „gesungener“ und erfüllter zu spielen.
Auch das Programm ist durchaus attraktiv, es präsentiert mit Werken von sieben Komponisten das breite Farbspektrum der neueren europäischen Musik aus „East and West“, wobei die Pianistin, die eine griechische Mutter hat, durch das frühe Nocturne und die fünf Préludes des Griechen Manolis Kalomiris, eines Furtwängler-Generationsgenossen, in den Reigen vertrauter Titel eine kaum bekannte Note zusätzlich einbringt.

Ingo Harden

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Danae Dörken | East and West

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East and West. Kalomiris: 5 Préludes, Nocturne; Bartók: 6 Rumänische Volkstänze; Chopin: Polonaise op. 26 Nr. 1; Schubert: 12 Ländler D 790; Grieg: Hochzeitstag auf Troldhaugen; Poulenc: 8 Nocturnes; de Falla: Danza ritual del fuego; Danae Dörken (2019);