Christian Thielemann | Schumann: Symphonies

Schon bald nach ihrer Entstehung kam der auch später immer wieder geäußerte Vorwurf auf, Robert Schumanns Sinfonien seien schlecht instrumentiert. Mag es auch in den frühen Arbeiten tatsächlich Passagen geben, die vom Klavier aus gedacht sind ‒ spätestens mit der C-Dur-Sinfonie op. 61 und der „Rheinischen“ hat Schumann seine Kritiker eines Besseren belehrt.


Auch Christian Thielemann scheint mit seinen Einspielungen mit der Staatskapelle Dresden genau diesen Vorwurf entkräften zu wollen. Schon in der bei ihm recht breit angelegten Einleitung zur B-Dur-Sinfonie betont er die orchestrale Anlage des Werkes; im weiteren Verlauf arbeitet er vor allem die Bläserpartien fein heraus und zeigt in vielen instrumentationstechnischen Details Schumanns souveränen Umgang mit dem großen Apparat.
In der formal heiklen C-Dur-Sinfonie stellt Thielemann die polyfone Gestaltung, die sich auch im orchestralen Satz widerspiegelt, ins Zentrum seiner Interpretation. Das gilt in noch stärkeren Maß für die Es-Dur-Sinfonie, die „Rheinische“, die vermutlich polyfoner gedacht ist als jedes andere Orchesterwerk Schumanns. Das gipfelt im „feierlich“ überschriebenen vierten Satz, der  Thielemann zu einer eindringlichen, fast sakral anmutenden Klangszene gerät, als die er ja ursprünglich auch gedacht war.
Bei der vierten Sinfonie in d-Moll, der Entstehung nach die zweite, wird heute gern auf die frühe Fassung von 1841 zurückgegriffen. Thielemann zieht jedoch die zehn Jahre später entstandene Neuinstrumentation Schumanns vor, die der Komponist selbst für gelungener und wirkungsvoller hielt. Thielemann meidet in all diesen Aufnahmen extreme Tempi, was der Ausarbeitung der Details dieser Werke sehr zugute kommt.

Martin Demmler

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Christian Thielemann

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Schumann: Sinfonien Nr. 1-4; Staatskapelle Dresden, Christian Thielemann (2018); Sony Classical (2 CDs)