Christian Tetzlaff | Beethoven & Sibelius

Längst nicht alle Geiger haben im Laufe ihrer Karriere die Gelegenheit, zentrale Werke des Violinrepertoires mehrfach aufzunehmen. Christian Tetzlaff gehört dazu, nicht zuletzt legitimiert durch ein Spiel, das sich im Laufe der Jahre deutlich verändert und weiterentwickelt hat, mehr vielleicht als es bei anderen Geigern der Fall ist. Da ist eine Neuaufnahme sinnvoll. Dreimal hat Tetzlaff Bachs Sonaten und Partiten für Violine solo eingespielt, jetzt liegen seine dritte Aufnahme des Beethoven-Konzertes und seine zweite von Sibelius vor.


Notwendigkeit oder Luxus? Denn was sollte es sein, was noch nie zu diesen Werken gesagt wurde, von Tetzlaff oder irgendjemandem sonst? Aufführungs­tradition und diskografische Geschichte dieser Konzerte sind ja von immenser Vielgestaltigkeit. Nun ist Tetzlaff zu einem Geiger herangewachsen, der Grenzen auslotet und manchmal sogar Gefahr läuft sie, zu überschreiten, jedes Risiko eingehend. Die Heftigkeit des Zugriffs, die Explosivität seines Spiels sind mitunter überbordend, emotional hoch gespannt, energetisch, immer hellwach. Weiterentwickelt hat er vor allem auch die dynamische Zuspitzung, nur wenige Geiger wagen ein solch extremes Pianissimo, auch auf dem Podium.
So ist es auch in dieser neuen Beethoven-Einspielung in vielen Details. Im zweiten Satz gibt es untere Dynamikregio-
nen, die nur selten so bewusst erforscht werden. Und Tetzlaffs Adaption von Beethovens Klavierkadenz mit inte­grierter Pauke ist ohnehin eine Attraktion. Dass ein derart ausdrucksbesessener Geiger auch im Sibelius-Konzert Höchstspannung erzeugen und volles Risiko gehen würde, war zu erwarten. Tetzlaff legt alles hinein, mehr sollte es nicht sein.

Norbert Hornig

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Christian Tetzlaff | Beethoven & Sibelius

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Beethoven, Sibelius: Violinkonzerte; Christian Tetzlaff, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Robin Ticciati (2018); Ondine