Chris Minh Doky | Transparency

Was die eigene Herkunft ausmacht, wird manchem erst so richtig klar, wenn er weit von zu Hause weg ist. Der dänische Bassist Chris Minh Doky machte diese Erfahrung, als er gut 20 Jahre in New York lebte und auf der dortigen Jazzszene zur festen Größe wurde.

 

Dass viele ihn für einen Amerikaner hielten, gab dem Sohn einer Dänin und eines Vietnamesen zu denken, was es denn bedeute, dänisch und aus dem Norden zu sein. Der Mann, der mit Stars wie Mike Stern, David Sanborn oder Michael und Randy Brecker gearbeitet hatte, besann sich auf Eigenarten der nordischen Musik und kam zu dem Schluss: kein Swing, keine Harmonien aus dem American Songbook. Zurück in Dänemark, gründete er mit ­Pianist Peter Rosendal und Drummer Jonas Johansen ein Klaviertrio, das bald unter „New Nordic Jazz“ firmierte, dem Titel des ersten Albums.
Jetzt erscheint Nr. 2, und es gibt sich als veritables Familienalbum mit acht musikalischen Porträts, die auf reale Personen gemünzt sein dürften: „Mother“, „Father“, „Sister“, „Brother“ … Sie alle gruppieren sich um eine Improvisation über eine Psalmenvertonung des dänischen Komponisten und Dirigenten Ole Schmidt (1928-2010) in der Mitte des Albums („Psalm“). Die ist entsprechend hymnisch und sanglich gehalten, Minh Doky „singt“ die Melodie auf seinem volltönenden Kontrabass und hält auch das Solo betörend kantabel.
Die „Familienmitglieder“ sind nicht nur unterschiedliche Charaktere, sie scheinen unterschiedliche musikalische Vorlieben zu haben – verhalten, nachdenklich, temperamentvoll, ausgelassen, mal mit Sinn für Volksmusik, mal für Exotisches, dabei immer freundlich, sympathisch und zugewandt. Ein Klaviertrio unter Führung eines Bassisten, der seine Rolle mit gewachsener Autorität ausspielt, mit makellosem Ton, herzerwärmendem Sound – und mitnichten so swingfrei wie nach obigem State­ment zu befürchten.

Berthold Klostermann

Zur Übersicht
Chris Minh Doky | Transparency
Download bei qobuz
Musik:
4,50
Klang:
5,00

Chris Minh Doky: New Nordic Jazz – Transparency; Chris Minh Doky (b), Peter Rosendal (p, el-p), Jonas Johansen (dr); Red Dot / Warner