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Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin | Glanert: Oceane

Es ist Detlev Glanerts bis dato klang-sinnlichste Oper: Das kurze Orchestervorspiel entfaltet wahrlich ozeanische Gefühle von nahezu Skrjabin’scher Ekstase, und auch in der Welt der alten Madame Louise in ihrem Ostseebad-Hotel, das ständig am Rand des Bankrotts steht, leuchtet immer wieder die schwungvoll genossene Vergangenheit auf.


Doris Soffel war bei der Uraufführung an der Deutschen Oper der glamouröse Mittelpunkt einer Gesellschaft, die in sich ruht und in der jeder seinen Platz hat – Albert Pesendorfers bassgewaltiger Pastor schwört sie auf ihre Werte ein. GMD Donald Runnicles hält Chor und Orchester seines Hauses in Bewegung, und die droht schon außer Kontrolle zu geraten, als Oceane von Parceval nur erscheint. Diese ist eine späte Nachfahrin Melusines – eingefroren war sie in Fontanes Fragment, bis Glanert in ihr die Opernfigur fand.
Maria Bengtsson singt diese Außenseiterin grandios. Oceanes Außer-
sich-Geraten bringt sie ebenso eindringlich zum Ausdruck wie ihre Selbstverlorenheit, die wieder vergehen will in den Wellen des Ozeans. Nikolai Shukoffs lyrischer Tenor gerät nicht aus der Fassung, wenn Martin von ihrer Erscheinung überwältigt wird und er sie dennoch nicht erreicht. Und es wird wirklich gesungen, Glanert hat eine echte Oper geschrieben. Christoph Pohl und Nicole Haslett geben mit Charme das Buffo-Paar, das die ungewöhnlichen Vorgänge mit praktischem Sinn kontrapunktiert, und Stephen Bronk ist als nüchterner Oberkellner der ruhende Pol in dem Wirbel, den der Komponist hier ausgelöst hat. Auch die Aufnahme bewahrt die Faszination der Klangsensationen, die Glanert serviert.
 

Bernd Feuchtner

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Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin | Glanert: Oceane

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Glanert: Oceane; Maria Bengtsson, Nikolai Shukoff, Christoph Pohl, Nicole Haslett, Albert Pesendorfer, Doris Soffel, Stephen Bronk, Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin, Donald Runnicles (2019); Oehms (2 CDs)

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