Cecilia Bartoli | Antonio Vivaldi

„Sollte der Blitz zu langsam sein“, lautet die erste Textzeile des neuen Vivaldi-Albums von Cecilia Bartoli, bald 20 Jahre nach dem ersten, das in die Tonträgergeschichte eingegangen ist. Rasend und mit schärfsten Konturen singt die Bartoli immer noch, ein Naturereignis wie ein Blitz, eine Kraft, die den Opernhimmel erhellt und erschüttert.

Es ist schwer, den vielen Superlativen, die über diese Jahrhundertsängerin gesagt wurden, weitere hinzuzufügen. Als hätte die Decca den Rezensenten aus dieser Verlegenheit helfen wollen, ist das Booklet voll mit Lobeszitaten über die Römerin. Daniel Barenboim bringt das Phänomen Bartoli gut auf den Punkt, indem er die Einheit von Stimme, Musikalität, Textbehandlung und ihrer Art, sich zu bewegen herausstellt.
Natürlich kann man nicht der Versuchung widerstehen, das Vivaldi-Album von 1999 zum Vergleich in den CD-Player zu legen. War damals Il Giardino Armonico eine recht singuläre Erscheinung, so gibt es nun viele Gruppen, die mit Leidenschaft zu Werke gehen. So wie das Ensemble Matheus unter Jean-Christophe Spinosi, das alle Stimmungen trifft.
Die neue Vivaldi-Aufnahme weist keine Überschneidung mit der von 1999 auf, auch wenn die Oper „Il Giustino“ wieder auftaucht. Die übrigen Nummern stammen aus „Argippo“, „Orlando furioso“, „La Silva“, „Ottone in villa“, „La verità in cimento“, „Andromeda liberata“, „Tito Manlio“ und „Catone in Utica“. Titel für Eingeweihte des innersten Zirkels. Die Musik aber in der Ausführung durch Cecilia Bartoli gewinnt eine Schlüssigkeit und Direktheit, der nichts Elitäres anhaftet, zumal die ungebrochene Fähigkeit, Läufe, Sprünge und Wechselnoten atemberaubend schnell und berührend emotional zu singen, nicht dominiert, sondern viele ruhige Nummern das Zuhören immer wieder neu lehren. Und so klingt die CD denn auch mit vornehmster Dezenz aus. Leichtigkeit von höchster Intensität. Lächeln und Seufzen. Welch ein Glück!

Johannes Schmitz

Zur Übersicht
Cecilia Bartoli | Antonio Vivaldi

Bei unseren Partnern erhältlich als CD oder Download:

Bestellen bei JPC
Download bei qobuz
Musik:
5,00
Klang:
5,00

Vivaldi: Arien; Cecilia Bartoli, Ensemble Matheus, Jean-Christophe Spinosi (2017); Decca

FonoForum-Newsletter

Mehr frische Infos und Angebote finden Sie im FonoForum-Newsletter.

Jetzt registrieren