Cannonball Adderley Quintet | Liederhalle Stuttgart 1969

Mitreißende Bläsersätze, funky ­Piano- Begleitung und ein packender Groove: Mit seinem gefeierten Auftritt beim Jazzworkshop in San Francisco 1959 hatte Cannonball Adderley seine Erfolgsformel gefunden. Der Code dafür lautete Soul Jazz. Gemeinsam mit seinem Kornett spielenden Bruder Nat leitete der Altsaxofonist eine der heißesten Quintett-Forma­tionen der 1960er-Jahre. Beide wa­ren hervorragende Instrumentalisten, die zudem zahlreiche attraktive Themen kreierten. „Work Song“ wurde bei fast jedem Konzert vorgetragen.


Mit seinem von Blues und Gospel eingefärbten Ruf- und Antwortschema zählt es zum Prototyp einer Soul-Jazz-Nummer. Erheblichen Erfolg an der Popularität des Quintetts (es handelt sich nicht um ein Quartett, wie auf dem Cover fälschlich angegeben) hatten immer auch die Pianisten der Gruppe. Bereits Bobby Timmons hatte mit „This Here“ ein zugkräftiges Thema eingebracht, doch noch wesentlich erfolgreicher war Joe Zawinul: Sein „Mercy, Mercy, Mercy“ stürmte sogar die Billboard Pop Charts.
Das Stück fehlt beim Stuttgarter Konzert. Dafür trumpfte Zawinul mit anderen Originals wie dem humorvollen „Rumpelstiltskin“, dem fantasievollen „The Painted Desert“ und dem souligen „Walk Tall“ auf. Letzterer Titel bekräftigt einmal mehr, weshalb der Wiener Pianist den Ruf hatte, der am schwärzesten spielende weiße Musiker zu sein. In
„Somewhere“ klingen Cannonball Adderleys Altsax-Chorusse so optimistisch, als könnte er den in den Lyrics geäußerten Wunsch nach einem besseren Leben unmittelbar erfüllen. Mit seinem Solo in Dizzy Gillespies „Blue ΄n΄ Boogie“ erinnert er an bewegte Bebop-Zeiten, die der danach im Fokus stehende Roy McCurdy mit einem fulminanten Drum-Solo bekräftigt.

Gerd Filtgen

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Liederhalle Stuttgart 1969

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Cannonball Adderley Quartet: Liederhalle Stuttgart 1969; Julian Cannonball Adderley (as), Nat Adderley (corn), Joe Zawinul (p), Victor Gaskin (b), Roy McCurdy (dr); SWR Jazzhaus / Naxos