Camerata Bern | Tchaikovsky: Violin Concerto & String Quartet No. 3

Es ist kaum auszumachen, wie viele Aufnahmen es von Tschaikowskys Violinkonzert gibt. Wurde etwas noch nicht gesagt, gibt es Details, die wir noch nicht kennen? Ist ein neuer Ansatz überhaupt noch möglich?

Ja es gibt ihn, und das ist wirklich erfreulich. In der Aufnahme mit Antje Weithaas und „ihrem“ Orchester, der Camerata Bern, hört man das Werk unter bestimmten Aspekten wirklich neu. Das Ohr wird hineingezogen in eine außergewöhnliche Interpretation, die eigentlich in keinem Takt einem tradierten Muster folgt. Dies ist ein eleganter, enorm feinfühliger Tschaikowsky. Immer spürt man den Komponisten von „Schwanensee“, man hat die Tänzer vor Augen, in ihren Aktionen federleicht und schwerelos. Den geigerisch-technischen Aspekt, die äußere Brillanz, auf den sich viele Interpreten oft sehr einseitig fokussieren, lässt Antje Weithaas zurücktreten. Er spielt die Nebenrolle, da gibt es kein Reißen und Zerren, kein Hetzen und Jagen. Umso sorgsamer werden melodische Linien erzählend ausmodelliert, nobel und immer mit Zeit, dynamisch und farblich vielfältig abgestuft. Der zweite Satz klingt wie Samt und Seide, auch weil Antje Weithaas die „con sordino“-Vorschrift beachtet, was leider viele immer noch nicht tun. Das Finale hat sein Tempo, es wirkt kontrolliert und strukturiert.

Solistin und Orchester sind aufeinander eingeschworen, sonst würde eine derart geschlossene Darstellung ohne Dirigent, was bei Tschaikowsky völlig unüblich ist, nicht entstehen können. Das Werk wird hier kammermusikalisch geadelt und konzeptionell neu verpackt. Genau dasselbe ist den Interpreten schon beim Brahms-Violinkonzert gelungen. Ob man Tschaikowskys drittes Streichquartett orchestral verbreitern sollte, darüber mögen die Meinungen auseinandergehen. Das Werk gewinnt jedenfalls an Farbtiefe, der sinfonische Charakter wird ausdrucksgewinnend betont. Die Camerata Bern spielt superb.

Norbert Hornig

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Tschaikowsky: Violinkonzert, Streichquartett Nr. 3; Antje Weithaas, Camerata Bern (2017); CAvi