Bill Frisell | Epistrophy

Als vor zwei Jahren mit „Small Town“ ein bezauberndes Duo-­Album von Bill Frisell und Thomas Morgan erschien, staunte und jubelte man ob ihrer im legendären „Village Vanguard“ live eingespielten, wundersam duftigen Klanggespinste. Und hoffte seitdem auf mehr – schließlich hatten der heute 68-jährige Gitarrist und der 30 Jahre jüngere, mit warmer, klar definierter Intonation agierende Bassist im März 2016 an sechs Abenden zusammen auf der kleinen Bühne gestanden.


Nun gibt es mit „Epistrophy“ die ersehnte Fortsetzung ihrer dialogischen Höhenflüge, die in traumhafter Gelassenheit durch Zeit und Raum schweben. Dass ausweislich der Booklet-Fotos Bill Frisell neben einer Telecaster auch eine klassische, semi-akustische Jazzgitarre spielt, ist nur ein guter Grund unter vielen, seinen filigranen, gelegentlich von zartem Effektgeräte-Einsatz modulierten Lines mit spitzen Ohren zu folgen. Wie er etwa in Slow-Motion jeden Ton von Billy Strayhorns „Lush Life“ einzeln auskostet, wozu Thomas Morgan pointierte Single Notes setzt, ist ein hochmusikalisches Erlebnis von stupender Eleganz. Im Kontrast dazu entfaltet Monks „Epistrophy“ durch den lässig schnurrenden Walking Bass eine aufregend groovige Klangpracht, die von der Gitarre mit dem nur punktuell aufblitzenden Thema hinreißend garniert wird. Was sich mit dem ähnlich stilvoll zelebrierten „Pannonica“ fortsetzt, bis dann Frisell mit dem Traditional „Red River Valley“ seiner Liebe zu Americana frönt.
Man versinkt entrückt in ihrem schwelgerischen Wohlklang, der mit „Mambo Jumbo“ ihres Freundes Paul Motian kostbare Erinnerungen weckt. Und für Cineasten mit „You Only Live Twice“ ein besonderes Kleinod offeriert im poetischen Fluss intim-intensiver Zwiegepräche.

Sven Thielmann

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Bill Frisell | Epistrophy

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Bill Frisell & Thomas Morgan: Epistrophy; Bill Frisell (g), Thomas Morgan (b); ECM / Universal; CD, Doppel-Vinyl