Betty Carter | The Music Never Stops

Ihre Musik hört nie auf. Gut 20 Jahre nach dem Tod Betty Carters (1998) klingt ihre Musik so frisch und lebendig wie eh und je, hört weder auf zu elektrisieren, noch zu berühren. Eindrucksvolles Beispiel ist dieser 1992er-Live-Mitschnitt aus der Konzertreihe „Jazz at Lincoln Center“ in New York.


Betty Carter gehörte nie zu denen, die die ganz großen Hallen füllten, zu subtil, zu wenig breitenkompatibel waren ihre Interpretationen von Standards und eigenen Songs – gesungene Geschichten, kleine Monologe und Texte, die sie mit Leben füllte, deren Harmonie- und Formgerüst sie mit flexibel geführten Scat-Improvisationen, oft haarscharf am „gemeinten“ Ton vorbei, dehnte und streckte. Das war experimentell, ohne Avantgarde zu sein, jedenfalls alles andere als leicht verdaulicher Mainstream.
Der Abend im Lincoln Center bot ihr den ganz großen Auftritt, mit wechselnden Triobesetzungen, manchmal Big Band und kleiner Streichergruppe (drei Celli, zwei Bässe). Im Trio und der Rhythm-Section der Big Band spielen Carter-Alumni wie Cyrus Chestnut, John Hicks, Greg Hutchinson und Clarence Penn, galten die Bands der Sängerin doch als Eliteschmiede für den Nachwuchs. Dem Titel „The Music Never Stops“ gemäß geht es ohne Unterbrechung durch das Programm. Spricht Betty Carter mal eine Überleitung, spielt die Musik in der Regel durch.
Los geht’s mit dem Big-Band-Ins-
trumental „Ms. B.C.“, dann gehört Ms. B.C. die Bühne. Unübertroffen ist sie in den Balladen („Make It Last“, „What’s New“, „Good Bye“, „The Good Life“), das rein gescattete „Bridges“ wird zum Paradebeispiel für ein gesungenes „Instrumental“. Doch allein diese Stimme! Wie ein Cello.

Berthold Klostermann

Zur Übersicht
Betty Carter

Bei unseren Partnern erhältlich als CD oder Download:

Bestellen bei JPC
Download bei qobuz
Musik:
5,00
Klang:
4,50

Betty Carter: The Music Never Stops; Betty Carter (voc), Cyrus Chestnut, Geri Allen (p), Ariel Roland (bass), Clarence Penn (dr) u. a.; big band, strings Blue Engine/Galileo