Benedetta Mazzucato | Caldara : Maddalena ai Piedi di Cristo

Obwohl von Antonio Caldara über 40 Oratorien überliefert sind, bleiben die Aufnahmen auf einige wenige beschränkt. René Jacobs legte 1995 die „Magdalena zu Füßen Christi“ zum ersten Mal in einer durchweg überzeugenden Interpretation vor.

Die Darstellung der Zerrissenheit Magdalenas zwischen der irdischen und der himmlischen Liebe, die personalisiert um ihre Gunst buhlen, ermöglicht Caldara trotz der auf Streicher und Continuo begrenzten Instrumentalbegleitung sehr nuancierte Arien. Sie fangen pointiert die jeweilige Seelenverfassung der Protagonistin ein, die sich erwartungsgemäß letztlich für die himmlische Liebe entscheidet. Auch wenn Caldaras spätere Oratorien für den Wiener Hof auf ein größeres Ins­trumentarium zurückgreifen konnten und mithin eine intensivere Farbigkeit aufweisen, wird die Magdalena auch ohne die seinerzeit von Jacobs noch im Sinne größerer Abwechslung vorgenommenen Eingriffe nie langweilig.
Das verdankt sich natürlich auch den ausgezeichneten Sängern, die allen Gefühlsregungen adäquaten Ausdruck verleihen. Zwar wirkt Benedetta Mazzucatos Stimme weniger warm als seinerzeit die von Bernarda Fink. Da beide die irdische Liebe zu verkörpern haben, lässt sich freilich der ein wenig stählerne Klang Mazzucatos auch als Charakterisierungsmerkmal verstehen. Emmanuelle de Negri als Magdalena braucht den Vergleich zu Maria Cristina Kiehr nicht zu scheuen. Jedenfalls glaubt man ihr ihre Entscheidungsqualen und fühlt unmittelbar mit. Auch die Herren sind durchweg überzeugend besetzt, wobei man sich die Stimme des Pharisäers (Riccardo Novaro) etwas schwärzer vorstellen könnte. Aber das sind wirklich nur Nuancen, die vom hellwachen Spiel des Banque Céleste weitestgehend wettgemacht werden. Der ausgezeichnete Klang dieser Einspielung tut ein Übriges, dass man sie vollsten Herzens empfehlen kann – selbst wenn man die von Jacobs bereits sein Eigen nennt.

Reinmar Emans

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Maddalena ai Piedi di Cristo

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Caldara: Maddalena ai piedi di Cristo; de Negri, de Villoutreys, Mazzucato, van Mechelen, Novaro, Guillon, Le Banquet Céleste, Damien Guillon (2017); Alpha

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