Bartók | Der holzgeschnitzte Prinz

Die Stärke dieser Interpretation von Bartóks Ballett „Der holzgeschnitzte Prinz“ liegt in der Betonung des großen Kontrastreichtums und der atmosphärischen Vielfalt, die diese Partitur zu bieten hat. Susanna Mälkki versucht nicht, daraus eine verkappte Sinfonie herauszudestillieren, sondern betont ihre genuin tänzerischen Qualitäten.

Die Stärke dieser Interpretation von Bartóks Ballett „Der holzgeschnitzte Prinz“ liegt in der Betonung des großen Kontrastreichtums und der atmosphärischen Vielfalt, die diese Partitur zu bieten hat. Susanna Mälkki versucht nicht, daraus eine verkappte Sinfonie herauszudestillieren, sondern betont ihre genuin tänzerischen Qualitäten. Jeder der insgesamt sieben Tänze besitzt seine eigene, unverwechselbare Individualität, auch sein eigenes Tempo. Mälkki und die Helsinkier Philharmoniker agieren mit bewundernswerter Charakterisierungskunst. Rubati wirken niemals aufgesetzt, sondern verleihen der Musik einen spontanen, wie aus dem Moment heraus improvisierten Gestus. Ebenso kommen die stilisiert folkloristischen Momente wunderbar zur Geltung. Aus dem tendenziell etwas dunklen Klang des Orchesters stechen, wo es angebracht ist, einzelne Klanggruppen als farbliche Akzente mit großer Lebendigkeit hervor, vor allem die Holzbläser (man höre das Saxofon!). Und für die emotionalen und lyrischen Momente – die Verzweiflung des Prinzen, das glückliche Ende – finden die Interpreten das richtige, soll heißen nie übertriebene Maß an Innigkeit.
Bei einem solch positiven Eindruck ist es beinahe zu bedauern, dass aus dem „Wunderbaren Mandarin“ hier nur die Suite eingespielt ist, doch das gesamte Ballett hätte wohl die Spieldauer einer SACD überschritten. Mälkki und das Orchester wissen auch hier zu überzeugen. Sie legen eine hoch spannende finale Jagd hin, verzichten aber auf eine allzu große Dämonisierung der sinistren Partitur zugunsten einer feinen Austarierung des orchestralen Geflechts und, auch hier, einer Konzentration auf das Tänzerische, die Entwicklung aus der spontanen Bewegung heraus.
 

Thomas Schulz

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Bartók | Der holzgeschnitzte Prinz

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Bartók: Der holzgeschnitzte Prinz, Suite aus „Der Wunderbare Mandarin“; Helsinkier Philharmoniker, Susanna Mälkki (2017/18); BIS (SACD)