Avishai Cohen | Arvoles

Es gibt kaum ein Bassspiel, das so gelenkig und kraftstrotzend ist wie das von Avishai Cohen. Seine Themen springen und tanzen in komplexen Rhythmen. Und bleiben doch stets eingängig. Auf seinem neuen Album „Arvoles“ erweitert der Bassist sein bewährtes Trioformat um ein paar fein arrangierte Bläserriffs von Flöte und Posaune.


Wie immer bei Avishai Cohen kann sich ein schöner Sog entwickeln. Immerhin hat man ihn deshalb auch schon als popkompatibel geoutet. Auf „Face Me“ baut das Trio mit Elchin Shirinov am Klavier und Noam David einen einzigen langen Spannungsbogen auf, bei dem der Leader auch zum Bogen greift. Aber die Platte überzeugt zudem mit sanglich balladesken Elementen, bei denen die Flöte den Leadingpart einnehmen kann. Schon den Titeln kann man einen melancholischen Grundton ablauschen: „Childhood“ heißt einer und „New York 90’s“ oder „Nostalgia“. Und der Albumtitel „Arvoles“ meint „Bäume“ in der Sprache der sephardischen Juden.
Präzise etabliert das Ensemb­­le die Themen. Richtig jazzig wird es in den jeweiligen Soli, da wirbelt Pianist Shirinov über die Tasten, Cohen lässt seine Basssaiten ordentlich auf dem Griffbrett schnalzen. Trotzdem: Mit weniger mehr zu sagen – das war die erklärte Zielsetzung von Cohen für das aktuelle Album. „Es braucht freilich reichlich Erfahrung, um dieses Ziel zu erreichen“, gibt der Leader zu bedenken und begreift seine Musik als Spiegel vergangener musikalischer Erfahrungen. Das gelingt schön! In allen Passagen erkennt man Cohens kompositorische Handschrift sofort. Allein das ist schon ein Qualitätssiegel.           

Tilman Urbach

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Avishai Cohen | Arvoles

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Avishai Cohen: Arvoles; Elchin Shirinov (p), Avishai Cohen (b), Noam David (dr), Björn Samuelsson (tb), Anders Hagberg (fl); (2019) Razdaz Recordz / ADA