Alexander Ramm | Britten: Suiten für Cello solo Nr.1-3

Wenn man als Komponist eine „Cellosuite“ schreiben will, hat man ein Problem: Man stellt sich unweigerlich dem Vergleich mit Bachs Sechs Suiten – dem heiligen Gral der Cellomusik. Als Komponist hat man dann zwei Möglichkeiten: Man geht offensiv damit um und stopft die Musik voll mit Anspielungen auf Bach. Oder man versucht sich so weit vom Original zu entfernen, dass jeder Vergleich absurd erscheint.


In den Cellosuiten von Benjamin Britten scheinen sich beide Varianten zu mischen. Es gibt Passagen, die Bach sehr ähnlich hätte schreiben können. Und es gibt Passagen, bei denen seine barocken Hörer wohl vom Stuhl gefallen wären. In der neuen Aufnahme von Alexander Ramm wird dieser Kontrast besonders deutlich. Er beginnt die Sonate mit dem Sound einer Bach-Sarabande und zieht dann bald den großen Vorhang beiseite: Mit Gespür für lange dramaturgische Bögen und Verdichtungen inszeniert er die Musik. Ramm lässt das Cello säuseln, brüllen und dozieren.
Und er beweist trockenen Humor: Im zweiten Satz der zweiten Suite lässt Britten den Solisten eine Fuge spielen. Nur ist diese vermeintliche Fuge leider einstimmig und klingt deshalb so, als hätte man eine Stimme aus einem vierstimmigen Fugensatz herauspräpariert. Ramm lässt sein Cello in der Musik umhertapsen. Fast ein bisschen ratlos, als würde es fragen: „Und wo sind denn alle hin?“ Aber er beschränkt sich nicht auf diesen Kommentar, sondern spielt zugleich stimmige Musik, die über die Parodie hinausweist.
Bei aller Zuspitzung, Ironie und Virtuosität verliert er nie aus dem Sinn, dass Musik ja vor allem schön klingen soll. Brittens Suiten sind noch eine Ecke schwieriger zu spielen als die von Bach. Und Alexander Ramm setzt hier Maßstäbe.

Ole Pflüger

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Alexander Ramm

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Britten: Suiten für Violoncello solo; Alexander Ramm (2018); Melodiya