Adrián Díaz Martínez & Ikuko Odai | Avantgarde

Der Titel ist etwas irreführend: In den fünf Werken wird das moderne Ventilhorn mit sehr traditionellen Mitteln in allen seinen Facetten vorgestellt. „Avantgardistische“ Tonverfremdungen und Techniken kommen nicht zum Einsatz.

 

Bekanntestes und musikalisch anspruchsvollstes Stück ist Francis Poulencs Élégie, in der er seine Erschütterung über den Unfalltod des englischen Hornisten Dennis Brain (1921-57) zum Ausdruck brachte. Das 1958 uraufgeführte Stück ist ein düster-tragisches Werk, das gleich zu Beginn mit ungewöhnlichen Harmonien aufhorchen lässt. Als gleichwertiges Pendant ist die impressionistisch gefärbte dreisätzige Sonate der belgischen Komponistin Jane Vignery (1913-74) zu hören, die dem Horn das Klavier mit einem ganz eigenständigen, höchst anspruchsvollen Part gegenüberstellt. York Bowens (1884-1961) Sonate, Jan Koetsiers (1911-2006) Variatio-
nen und Hermann Neulings (1897-1967) Bagatelle sind gefällige Spielmusiken, die das Horn in all seinen Facetten reizvoll zur Geltung bringen.
Das Duo Martínez-Odai besticht mit in jeder Beziehung exzellentem Zusammenspiel. Martínez verfügt über einen herrlich dunkel-samtenen, in allen Lagen ausgeglichenen Ton sowie eine stupende Ansatz- und Spieltechnik. Seine Spezialität sind die tiefen Töne, so ist er auch bei den NDR-Sinfonikern als tiefer Hornist tätig. Im Hornsatz wird traditionell zwischen hohen und tiefen Hornisten unterschieden. Letztere müssen mit lockerer Lippenspannung große Intervallsprünge meistern und den tiefen Tönen Klangfülle und Schönheit verleihen. Gerade dies demonstriert Martínez eindrucksvoll. Derart vollmundig und rund hört man die tiefen Horntöne selten. Aber auch in der Höhe gelingt ihm alles scheinbar mühelos. – Eine wunderschöne Horn-CD!

Holger Arnold

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Adrián Díaz Martínez & Ikuko Odai | Avantgarde

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Avantgarde. Werke für Horn und Klavier von Bowen, Poulenc, Koetsier, Neuling und Vignery; Adrián Díaz Martínez, Ikuko Odai (2018); Es-Dur