3MA with Ballaké Sissoko | Anarouz

Der ungarische Staatschef Viktor Orbán meinte zum Thema Migration: „Wir wollen nicht, dass unsere Farbe mit anderen vermischt wird.“ Der UN-Hochkommissar Said Raad al-Hussein nannte den Rechtspopulisten daraufhin einen Rassisten. Auch uns, die wir den Jazz als Teil geistiger Nahrung brauchen, muss Orbáns Satz erzürnen, denn: „Wir sind ein bunt gemischtes Ganzes“ (Che Guevara).

Ein leuchtendes Beispiel ist dieses nach zehn Jahren (!) zweite Album dreier großer Musiker aus Mali, Marokko und Madagaskar. Was der unvergleichliche Rajery auf der Valiha, einer großen horizontal gespielten Bambusharfe, kreiert, sucht seinesgleichen. Music for body and soul. Es steht im engen Dialog mit Ballaké Sissokos Koraspiel, einer 21-saitigen Harfe, dem Instrument der Griots. Zwischen ihnen vermittelt Driss El Maloumi am Oud, dem „Sultan“ der arabischen Musik. Ein paar Verszeilen stehen dem zehnteiligen Tonzyklus voran: „Zu viele Wellen. Wo ist das Licht? Wo bist du, Sonne? Zu viel Düsternis. Nur Dunkelheit umhüllt die Erde.“ Wer dächte da nicht an ein mit Flüchtlingen überfülltes, schrottreifes Schlepperboot, das übers nächtliche Mittelmeer treibt? Die Musik von 3MA soll Mut machen, und das tut sie, als Aufforderung dienend, die Heimat nicht zu vergessen. Auch in Zeiten, wo hierzulande Moscheen angezündet werden, an manchen Wochenenden bis zu zwei Dutzend.

Irgendwann dachte ich an „Friday Night In San Francisco“ von McLaughlin/De Lucía/Di Meola und verspürte ein ähnliches Aha-Erlebnis. Hier sind zwar auch Virtuosen am Werk, die sich aber mitnichten gegenseitig übertreffen wollen. Ihr filigranes Spiel ist ganz vom Kollektiv geprägt, einem wundervollen Geben und Nehmen, dem Offenlegen verborgener Verbindungen über endlose Weiten. Pure Magie.

Karl Lippegaus

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3MA with Ballaké Sissoko | Anarouz

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3MA: Anarouz; Ballaké Sissoko (kora), Driss El Maloumi (oud), Rajery (valiha) Mad Minute Music / Galileo