Richard Goode

Der Spätstarter

Der Pianist Richard Goode über Lampenfieber, Beethoven-Zyklen und tonale Ohren  

Von Arnt Cobbers


Er war einer der zehn „unterschätzten Großmeister“, die Matthias Kornemann im FONO FORUM 1/18 ins Rampenlicht rückte. Der New Yorker Pianist, der in den USA aber doch eine große Nummer ist, hat zwar seit zehn Jahren keine CD mehr aufgenommen, aber seine Beethoven-Konzert- und Sonatenzyklen (bei Nonesuch) sind noch immer greifbar. Anfang März spielte er mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin Mozarts Klavierkonzert Nr. 5 B-Dur, und nach der ersten Probe ergab sich die Chance auf ein Gespräch. Richard Goode ist ein freundlicher, völlig unprätentiöser Mensch mit einem feinen Humor.

Mr. Goode, wie ist es, mit 76 Jahren zu debütieren?
Ich könnte noch so manches Debüt geben – es gibt viele Orchester, mit denen ich noch nicht gespielt habe. Das ist immer schön. Aber es hängt natürlich auch vom Dirigenten ab, wie man miteinander auskommt und ob man dieselben musikalischen Ziele hat.

Sind Sie immer noch neugierig auf Orchester und Dirigenten?
Ich habe vermutlich mit weniger Orchestern gespielt als die meisten Pianisten. Ich spiele gern mit Orchestern, und Mozart-Konzerte zu spielen liebe ich, das ist das, was ich jetzt am häufigsten tue. Aber ich habe immer lieber solo gespielt. Ich habe anfangs meist Kammermusik gemacht, und das mochte ich auch, aber ich wollte immer meine eigenen Entscheidungen treffen, und das geht nur, wenn man solo spielt. Außerdem: Bei einem Orchesterkonzert geht man auf die Bühne, und nach einer halben Stunde ist es vorbei. Bei einem Solorezital geht es da erst richtig los.

Haben Sie wirklich erst mit 40 Jahren begonnen, Solo-Abende zu geben?
Nein, ich habe schon vorher solo gespielt. Aber richtig Fahrt aufgenommen hat meine Karriere erst, nachdem ich die Beethoven-Sonaten als Zyklus aufgeführt und aufgenommen hatte. Da war ich fast 40.

Man erzählt sich, dass Sie an starkem Lampenfieber gelitten haben. Das merkt man Ihnen nicht mehr an.
Man lernt, das Lampenfieber zu überspielen. Ehrlich gesagt kenne ich wenige Kollegen, die kein Lampenfieber haben.

Wie haben Sie Ihres besiegt?
Gar nicht. (lacht) Ich habe einige Konzerte gegeben, die mir schwer gefallen sind genau aus dem Grund. Man hat mir dann gesagt: Das ist doch nicht dein erstes Konzert, du hast doch bestimmt schon tausend Konzerte gegeben. Aber es fühlt sich an, als würde ich zum tausendsten Mal mein erstes Konzert geben. Lampenfieber hört nie auf. Aber man lernt, damit besser umzugehen.

 


Den kompletten Artikel lesen Sie in der Ausgabe August 2020

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