Martin Haselböck

Gegen Unwissen und Vorurteile

Mit seinem Orchester Wiener Akademie hat Martin Haselböck alle Beethoven-Sinfonien und -Konzerte an Originalschauplätzen in Originalbesetzung gespielt und aufgenommen. Und ist dabei zu erstaunlichen Erkenntnissen gelangt.

Von Arnt Cobbers

Wohl kaum ein anderer Musiker ist in einem so breiten Spek­trum aktiv: Martin Haselböck studierte Orgel, Kirchenmusik, Blockflöte und Komposition (bei Friedrich Cerha), wurde mit Anfang 20 Orgelprofessor in Iowa und Organist der Wiener Hofmusikkapelle (was er bis heute ist), unterrichtet als Professor in Wien und hat als Organist und Cembalist zahlreiche Werke wiederentdeckt und aufgenommen, etwa von Liszt, Poulenc, Distler und Krenek. 1985 gründete er das Originalklang-Orchester Wiener Akademie, dessen zweiter Schwerpunkt „multimediales Musiktheater“ bildet. Sehr erfolgreich laufen z. B. die Projekte mit dem Hollywood-Schauspieler John Malkovich, für die Haselböck zum Teil selbst die Musik geschrieben hat. Er leitet das Musica Angelica Baroque Orchestra Los Angeles, hat „moderne“ Orchester wie die New Yorker Philharmoniker, das Gewandhausorchester oder das Mariinsky-Orchester dirigiert und war Mitorganisator diverser Festivals.
Dass er viel Energie hat, merkt man dem Ur-Wiener sofort an. Beim Bier nach der Probe auf der Terrasse des Café Imperial erweist er sich auch als angenehmer Gesprächspartner.

Herr Haselböck, freuen Sie sich auf Beethoven 2020?
Ja, doch. Die Stadt Wien und der Staat Österreich haben sich zwar – im Gegensatz zu früheren Gedenkjahren – aus vielem zurückgezogen, und daher ist es für uns viel schwieriger geworden, größere Projekte im Alleingang vorzubereiten und umzusetzen. Trotzdem ist es für mich einfach eine Notwendigkeit, diese weltbekannte Musik so darstellen zu können, wie es nirgendwo anders möglich ist. Im Team haben wir schon seit fünf Jahren – auch mit wissenschaftlicher Unterstützung – intensiv gearbeitet und unglaublich viel erfahren und gelernt. Wenn wir nun 2020 mit „Resound“ nicht nur in Wien, sondern in ganz Europa, Asien und Amerika spielen werden, haben wir schon eine Menge an Erfahrung im Gepäck.

Was ist die Idee hinter dem Projekt „Resound Beethoven“?
Der Auslöser war ein Buch des Musikwissenschaftlers und Akustikers Stefan Weinzierl über Beethovens Konzerträume. Beethoven hat ja gelebt, bevor die großen Konzertsäle in Wien gebaut wurden. Er hat gespielt erstens in Adelsräumen – einer der wichtigsten war der ganz kleine Saal im Palais Lobkowitz, wo jetzt nur hundert Leute Platz finden, wo aber Sinfonien und Klavierkonzerte aufgeführt wurden – und zweitens in den Theatern, wenn spielfrei war. Das waren dann gleich Monsterkonzerte, etwa die berühmte Akademie vom Dezember 1808, als im Theater an der Wien die Fünfte, die Sechste und das vierte Klavierkonzert uraufgeführt wurden. Und im Redoutensaal, in dem jetzt das österreichische Parlament tagt, fand die zweite Aufführung der Neunten statt. Von acht Erstaufführungsorten in Wien existieren noch sechs. Wir haben 2014 begonnen, diese Orte wieder als Konzerträume zu aktivieren.


Den kompletten Artikel lesen Sie in der Ausgabe November 2019

Aktuelle CD

Resound Beet­hoven Vol. 7: Sinfonie Nr. 4,
Klavierkonzert Nr. 4, Gottlieb Wallisch, Orchester Wiener Akademie,
Martin Haselböck (2017); Alpha


The Sound of Weimar.
Franz Liszt: Die Orchesterwerke im Originalklang.
Orchester Wiener Akademie,
Martin Haselböck (2010-16);
Gramola
(9 CDs)